Gut zu Fuß in Lichterfelde-Ost
In Berlin wird durchschnittlich mehr als jeder dritte Weg (35%) zu Fuß zurückgelegt und nur knapp jeder vierte mit dem Auto. Ist es da nicht erstaunlich, dass wir dem Fußverkehr so wenig Bedeutung beimessen?

Verlauf des Premiumweges durch den Kiez
In zwei Lebensabschnitten gehen die Menschen besonders häufig zu Fuß: als Kinder und Jugendliche sowie im Alter.
In unserem Kiez ist jeder vierte Einwohner über 65 Jahre alt und man kann sich vielleicht vorstellen, dass sich manch älterer Mensch einen ebenen Bürgersteig wünscht, um nicht versehentlich zu stolpern oder auch, um den Rollator bequem schieben zu können.
Und es gibt viele Ziele bei uns, die man gerne zu Fuß erreichen möchte: Das Krankenhaus Bethel, den Marienplatz, Kitas, Arztpraxen, Seniorenheime, die Villa Folke Bernadotte, die Botschaft oder die Pfefferwerk-Einrichtung, aber auch das Willi-Graf-Gymnasium und die Hochschule für Management und Recht werden zu Fuß angesteuert.
Auf keinen Fall vergessen werden darf der beste Freund des Fußverkehrs, nämlich der öffentliche Nahverkehr, als Ziel und Quelle des Fußverkehrs. In unserem Kiez sind das der Bahnhof Lichterfelde-Ost und die Busstationen am Ostpreußendamm und in der Königsbergerstraße.
Perspektivischen sollen die Kiezanwohnenden natürlich auch gut zu den Lade- und Verleihstationen des Zukunftslust-Sharingangebots mit den elektrischen Leichtfahrzeugen gelangen.
Der Fußverkehr ist also die Basismobilität, die andere Mobilitätsarten ideal verbinden kann. Man muss ihn nur gehen lassen.
Was heißt eigentlich barrierefrei?
Barrierefrei bedeutet unter anderem, dass die Gehflächen eben sein müssen. Das kann man nicht mit dem eigentlich hübschen Mosaiksteinpflaster erreichen, dass bei uns noch häufig die Befestigung der Gehflächen darstellt. – Und dort, wo bei uns im Kiez Gehwegplatten verlegt sind, sieht man schnell, dass auf keinen Fall Pkw oder gar Lieferfahrzeuge darauf fahren oder stehen dürfen, denn die Platten werden so in den Unterbau gedrückt, dass sie schief stehen und so Stolperfallen bilden oder gleich zerbrechen.
Falschparker stehen also insbesondere für Menschen mit Einschränkungen nicht nur gefährlich im Weg, sondern beschädigen auch wichtige Infrastruktur, die wir für die Resilienz unseres Kiezes benötigen. – Grundstückszufahrten müssen mit stabileren Platten belegt sein und einen besseren Unterbau bekommen.
Aber Fußgänger wollen nicht nur immer um den einen Block spazieren, sie wollen voran kommen und müssen dafür
sicher über die Fahrbahnen gelangen. Dafür müssen die Autofahrer sie rechtzeitig sehen. Und Fußgänger benötigen natürlich auch einen guten Überblick über die Fahrbahn. Schließlich müssen auch noch zwei Bordsteine überwunden werden.

Falsch verlegter Blindenübergang im Jungfernstieg

Stolperfallen für viele Gehbeeinträchtigte
Daraus folgt:
- „Sehen und gesehen werden“ ist auch beim Queren der Fahrbahn entscheidend: Parkende Fahrzeuge (insbesondere hohe, breite Kfz) müssen mit einem Sicherheitsabstand zu den Querungsstellen abgestellt werden. Um den Abstand zu gewährleisten, müssen die Blickkontakte mit Sperrmarkierungen oder ggf. baulich („Gehwegnase“) gesichert werden.
- Die „Wartefläche“ für Fußgänger an der Ecke sollte durch eine Laterne erhellt sein, damit Fußgänger nicht „plötzlich“ im Lichtkegel von Fahrzeugen auftauchen. Die Beleuchtung der Fahrbahn ist also (nicht nur hier) nicht so wichtig.
- Damit das Betreten und Verlassen der Fahrbahn unmöglich oder gefährlich wird, müssen die Bordsteine abgesenkt werden. Planer, die die verschiedenen Arten der Behinderung mitdenken, ordnen zwei abgesenkten Bereiche an: Eine Absenkung auf 6 cm, damit Blinde und Seheingeschränkte die Kante mit ihren Langstöcken ertasten können, die zweite „auf Null“, damit Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer selbständig hindernisfrei vorankommen.
- Zumindest vor und an den Querungsstellen sollten Platten mit Leitrillen Blinde und Sehbehinderte zu der Querungsstelle lenken. Vor dem Bordstein sollte eine Noppenplatte sie vor dem Verlassen des Gehwegs am Bordstein warnen.
Ein Premiumweg für den Kiez
Damit möglichst viele Besucher und Einwohner die verschiedenen Ziele im Kiez barrierefrei erreichen können, schlagen wir einen Premiumweg mit einem Seitenast durch unseren Kiez vor.
Dieser soll, wie anhand der Promenadenstraße dargestellt, befestigt aus feinem Sandkies, mit einem saug- und speicherfähigen Unterbau für Regenwasser, ein stets angenehmens Gehen ermöglichen. Gesäumt mit Wildblumen und Rigole sorgt der Premiumweg gleichzeitig für den Regenwasserrückhalt und eine Verbesserung des Mirkoklimas und der Biodiversität.
Und mal ehrlich, wäre ein solcher Weg nicht ein genereller Zugewinn an Lebensqualität für uns alle?

KI Animation der Promenadenstraße mit Regenwasserrückhaltesystem
