Was ist die Wärmewende?
Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. Dies gelingt nur, wenn wir Wärme zum Heizen von Gebäuden und für industrielle Prozesse nicht mehr durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas erzeugen. Im Jahr 2025 generierten erneuerbare Energien nur 19% der verwendeten Wärme und Kälte in Deutschland. Zum Vergleich dazu: über 60% unseres Stroms werden durch erneuerbare Energien erzeugt. Über 80% der Heizungen in Deutschland müssen also in den nächsten 20 Jahren ihren Energieträger ändern – eine gesellschaftliche Mammutaufgabe.
Die Umstellung auf erneuerbare Energieträger ist aus drei Gründen wichtig:
- Wir müssen unser Klima durch eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes schützen.
- Sie ist wirtschaftlich sinnvoll. Denn die laufenden Kosten für das Heizen mit modernen Technologien wie z. B. einer Wärmepumpe sind schon heute niedriger als die Kosten für das Heizen mit fossilen Energieträgern, wie Erdgas oder Heizöl. Dieser Kostenvorteil wird sich künftig weiter verstärken.
- Erneuerbare Energien machen unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft resilienter. Denn je weniger fossile Brennstoffe wir importieren, desto sicherer ist unsere Energieversorgung, und desto unabhängiger sind wir von Öl- und Gaspreisschocks, die z.B. durch Kriege wie aktuell im Nahen Osten ausgelöst werden können.
Einen wichtigen Hebel sollten wir nicht vergessen: Das Einsparen von Energie, durch besser isolierte Gebäude und vor allem durch die Veränderung von Nutzerverhalten. Zum Beispiel, indem wir die Heiztemperatur in unseren Wohngebäuden auf 19-20 Grad reduzieren.
Erneuerbare Energien für die Wärmewende
Die wichtigsten erneuerbaren Energien für die Wärmewende sind Brennstoffe aus Biomasse, Umweltwärme und Geothermie, sowie die Nutzung von Abwärme aus Industrieprozessen, Rechenzentren und Kläranlagen. Hinzu kommt mit Wind, Sonne oder aus anderen erneuerbaren Quellen erzeugter Strom für den Betrieb von z. B. Wärmepumpen.
Brennstoffe aus Biomasse setzen Treibhausgase frei.
Aus unterschiedlichen Biomassen werden für die Wärmeerzeugung nutzbare Brennstoffe gewonnen, z. B. aus Gülle, Festmist, Getreidestroh oder Holz- und forstwirtschaftlichen Reststoffen. Je nach Biomasse-Art und technischer Aufbereitung können diese Brennstoffe gasförmig als Biogas oder Biomethan, flüssig zum Beispiel als reines Pflanzenöl für Heizkraftwerke oder als Biokraftstoff, oder in fester Form zum Beispiel als Scheitholz, Holzhackschnitzel oder -pellets zur Verfügung gestellt werden.
Brennstoffe aus Biomasse setzen das während des Pflanzenwachstums gebundene CO2 und andere Treibhausgase wieder frei. Auch ist Biomasse nicht unbegrenzt verfügbar. Der Transport von Biomasse – z.B. beim Import von Holz aus dem Ausland – verschlechtert zudem deren Klimabilanz.
Umweltwärme kann aus bodennahen Luftschichten und aus Oberflächengewässern wie Flüssen, Kanälen und Seen gewonnen werden.
Diese Energiequellen sind jedoch zu kalt, um sie zum Heizen von Gebäuden unmittelbar nutzen zu können, weshalb Wärmetauscher und Wärmepumpen eingesetzt werden.
Diese arbeiten im Prinzip wie ein Kühlschrank – nur im umgekehrten Betrieb: Sie entziehen der Umwelt Wärme und geben diese an das Gebäude ab.
Geothermie kann oberflächennah und tief gewonnen werden.
Geothermie oder Erdwärme ist die unterhalb der Erdoberfläche gespeicherte Wärmeenergie. Je tiefer man in das Innere der Erde vordringt, desto wärmer wird es. In Mitteleuropa nimmt die Temperatur um etwa 3 °C pro 100 Meter Tiefe zu.
Geothermie ist immer verfügbar und wetterunabhängig. Die nutzbare – mit heutiger Tiefbohrtechnik erschließbare – Energiereserve wird weltweit auf das rund 30-fache sämtlicher fossiler Reserven (Kohle, Gas und Öl) geschätzt.
Auch oberflächennahe Geothermie ist zu kalt, um sie unmittelbar zum Heizen von Gebäuden nutzen zu können. Man benötigt also auch hier eine Wärmepumpe.
Unser Trinkwasser wird übrigens aus den Berliner Grundwasserreserven gewonnen. Geothermiebohrungen in Wasserschutzgebieten I und II sind daher nicht erlaubt. Und: der Berliner Senat arbeitet aktuell an einem Plan zur Nutzung tiefer Geothermie.
Solarthermie
Unter Solarthermie versteht man die Umwandlung der Sonnenenergie, z. B. durch mit Wasser gefüllte Schläuche, die auf Dächern verlegt werden, in nutzbare thermische Energie. (Die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in Strom oder elektrische Energie - z. B. mittels Solarzellen – wird dagegen als Photovoltaik bezeichnet.)
Solarthermie ist eher eine Nischentechnologie, die zur Unterstützung von Fern- oder Nahwärme eingesetzt werden kann.

Fernwärme
Als Fernwärme oder Fernheizung bezeichnet man die Lieferung von Wärme zur Versorgung von Gebäuden mit Raumwärme und Warmwasser. Der Transport dieser thermischen Energie erfolgt in einem wärmegedämmten Rohrsystem, einem sogenannten Wärmenetz, das üblicherweise unter der Erde verlegt ist.
Die Klimafreundlichkeit von Fernwärme hängt davon ab, wie sie erzeugt wird. Entsteht sie in Kohle- oder Gaskraftwerken, ist sie ähnlich schlecht fürs Klima wie eine individuell betriebene Gas- oder Ölheizung.
Eine Übersicht über die Fernwärmepreise in Deutschland findet ihr auf der Preistransparenzplattform.
Wärmepumpen

Wärmepumpen unterscheiden sich durch ihre Wärmequelle. Die bekanntesten Arten von Wärmepumpenheizungen sind:
- Luftwärmepumpe/Erdwärmesonde, auch Luft-Wasser-Wärmepumpe genannt.
- Grundwasserwärmepumpe, auch Wasser-Wasser-Wärmepumpe genannt. Sie zapft das Grundwasser an.
- Erdwärmepumpe/Erdwärmekollektor, auch Solewärmepumpe oder Sole-Wasser-Wärmepumpe genannt. Sie erschließt das Erdreich über Sonden oder Kollektoren.
- Luft-Luft-Wärmepumpe, sie arbeitet ohne Wasserkreislauf und erwärmt die Umgebungsluft direkt.
Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Arten von Wärmepumpen finden sich in diesem
Artikel der Verbraucherzentrale.
Klimafreundlichkeit von Wärmepumpen
Eine Wärmepumpe ist nicht automatisch klimafreundlich. Entscheidend ist, wie effizient die Anlage arbeitet, also wie viel Wärme sie pro eingesetzter Kilowattstunde Strom erzeugt, und wie der genutzte Strom produziert wird.
Wärmepumpen sind besonders klimafreundlich, wenn sie Strom aus erneuerbaren Quellen nutzen und mit
Geothermie
und
Solarenergie kombiniert werden.
Individual- und Gemeinschaftslösungen
Individual- und Gemeinschaftslösungen sind die attraktivste Lösung für die dezentrale Wärmeerzeugung. Theoretisch könnte eine Wärmepumpe für jedes Gebäude oder jede Wohnung installiert werden. Dies ist allerdings weder besonders wirtschaftlich noch besonders klimafreundlich.
Um klimafreundliche Geothermie zu nutzen, sind Bohrungen notwendig. Diese sind wirtschaftlich besonders attraktiv, wenn sich mehrere Haushalte zusammenschließen, um die gewonnene Wärme untereinander zu verteilen. Dies geschieht über Nahwärmenetze.
Ein Beispiel einer Berliner Initiative aus der Nähe ist
kliQ Berlin. Das Quartier besteht zu großen Teilen aus ähnlich großen Reihenhäusern, die dicht nebeneinanderstehen, was die Anlage eines sogenannten Kalten Nahwärmenetzes begünstigt.
Betriebskosten von Wärmepumpen im Vergleich

Bild: co2online gGbmH
Im laufenden Betrieb sind Wärmepumpen bereits jetzt in der Regel eine vergleichsweise günstige Form der Wärmeerzeugung.
Für ein Einfamilienhaus mit 80 bis 100 m² Wohnfläche beispielsweise fielen im Jahr 2025 bei einem mittlerem Verbrauch für Erdgas pro Quadratmeter bis 13,60 € an Kosten an, für Heizöl bis 16,40 € und für Fernwärme bis 15,20 €.
Heizen mit einer Wärmepumpe kostete bis 9,20 € pro Quadratmeter (Quelle: Heizspiegel 2025).
Anschaffungskosten von Wärmepumpen
Der Einbau einer Wärmepumpe in Kombination mit einer Photovoltaikanlage kostet nach Angaben der Verbraucherzentrale zwischen €25.000-€50.000. Diese Kosten lassen sich durch Förderprogramme senken. Da die Kosten stark schwanken und es von der individuellen Situation abhängt, was sich wo lohnt, empfehlen wir, sich vorab von einer neutralen Organisation beraten zu lassen, wie z.B. von der Verbraucherzentrale oder Bauinfo-Berlin. Beide bieten neben umfangreichen Informationen auf ihren Webseiten auch individuelle Beratungen an, auch zu den verfügbaren Förderprogrammen.
Übrigens sind Wärmepumpen fast überall in Europa sehr viel billiger in der Anschaffung als in Deutschland. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, nicht zuletzt das Förderregime. Das Bundeswirtschaftsministerium hat vor kurzem eine
Studie veröffentlicht, die zeigt, dass es nach Umstellung auf prozentuale Förderung und Erhöhung der Fördersätze einen großen Preissprung bei Wärmepumpen gab.
Schwierige Situation für Mieter
Mieter können in den weitaus meisten Fällen nicht selbst entscheiden, wie sie heizen möchten. Sie sind davon abhängig, welche Heiztechnik ihr Vermieter wählt und müssen die anfallenden Betriebskosten zahlen.
Falls die Öl- und Heizgaspreise weiter steigen und der Vermieter sich gegen den Austausch der bestehenden Heizungstechnologie entscheidet, haben die Mieter die höheren Heizkosten zu tragen.
Dies wird aktuell intensiv diskutiert und es gibt Vorschläge für Reformen. Z. B. haben BUND, Deutscher Mieterbund (DMB) und Naturschutzring bereits 2012 das sogenannte
Drittelmodell vorgeschlagen, bei dem Mietende, Vermietende und Staat Sanierungs- und Modernisierungskosten gemeinsam tragen.
Die kommunale Wärmeplanung in Berlin
Deutschlandweit müssen alle Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern bis zum 30. Juni 2026 ihre Wärmeplanung veröffentlichen. Berlin liegt übrigens im Zeitplan.
Dies ist eine Potenzialanalyse, die Wärmebedarf und mögliche Versorgungsangebote anzeigt. Man kann z. B. auf einer Karte sehen, ob das Gebäude, in dem man wohnt, für einen Fernwärmeanschluß in Frage kommt. Dies sind allerdings unverbindliche Ergebnisse.
Der kommunale Wärmeplan kann nur empfehlen und potentielle Wärmequellen aufzeigen. Die Umsetzung obliegt den Besitzern der Gebäude, d.h. den Unternehmen, der öffentlichen Hand oder Privatleuten.

Die Vision für unseren Kiez
Zukunftslust setzt sich dafür ein, im Kiez gemeinschaftliche, klimafreundliche und sozial verträgliche Lösungen umzusetzen. Dies schaffen wir nur gemeinsam.
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