
BIODIVERSITÄT | von Ute Stumm
Gewinnanleitung für "Ich packe meinen Koffer"-Duelle
Und was wir im Winter so gemacht haben
Neulich fiel mir ein Spiel ein, das wir mit unseren Kindern auf langen Autofahrten immer wieder gespielt haben – kennt ihr bestimmt alle: „Ich packe meinen Koffer…“
Und heute verrate ich euch, wie ihr zukünftig jedes Duell gewinnen könnt.

Der triste, lange Winter hier in Berlin hat mich öfter dazu eingeladen, gedanklich einen Koffer zu packen und in die warme Ferne zu reisen. Aber statt in den Süden zu reisen, habe ich das getan, was Gärtner*Innen im Winter tun: über das kommende Frühjahr nachdenken und Pläne schmieden.
Dazu gab es Ende Januar einen besonders wichtigen Termin für Zukunftslust und das Handlungsfeld Biodiversität.
Annette und ich haben uns mit Urban Aykal, unserem Stadtrat für Grünflächen und vieles mehr, sowie mit vier Mitarbeiter*Innen des Grünflächenamtes zusammengesetzt. Gemeinsam haben wir eine Lösung für unsere Aktion 1.000 m Wildblumensaum in Lichterfelde gefunden.
Bisher konnten Anwohnerinnen und Anwohner Patenschaften für Baumscheiben im Bezirk beantragen. Wir wollten jedoch noch einen Schritt weitergehen und euch ermöglichen, ganze Grünstreifen als Paten zu übernehmen.
Diese meist artenarmen Flächen möchten wir mit heimischen Wildstauden aufwerten. So entstehen grüne Korridore und Trittsteinbiotope, die Insekten die Ausbreitung im Kiez und weiter in die Stadt hinein ermöglichen.
Damit orientieren wir uns an wichtigen Punkten der Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030+. Grüne Wege werden mit Wohnquartieren verbunden – und es entstehen Lebensräume auch für Tiere, für die Insekten eine zentrale Nahrungsquelle sind.
Warum heimische Wildpflanzen?

Warum legen wir so viel Wert auf heimische Wildpflanzen, obwohl es doch so viele attraktive Zierpflanzen aus aller Welt gibt?
Heimische Arten haben gleich mehrere Vorteile:
- Sie sind an unser Klima angepasst und dadurch meist resilienter gegenüber Hitze und Frost.
- Viele kommen ohne Dünger und mit deutlich weniger Wasser aus.
- Sie sind ökologisch besonders wertvoll, weil sie unseren Insekten nicht nur Nektar, sondern auch geeigneten Pollen für die Brut liefern.
Denn, während erwachsene Insekten vor allem Nektar als Flugbenzin nutzen, benötigen ihre Larven Pollen als eiweißhaltige Powernahrung.
Wildbienen – Spezialistinnen und Generalistinnen
Wildbienen sind übrigens ziemlich beeindruckend – und mit ihnen gewinnt ihr jedes
„Ich packe meinen Koffer“-Duell.

Kleine Glockenblumen-Scherenbiene
Oligolektische Wildbiene
Ein schönes Beispiel ist die Glockenblumen-Scherenbiene.
Sie ist ca. 6 mm lang und lebt nur etwa drei Monate im Jahr – nämlich genau dann, wenn die Glockenblumen blühen, also in der Regel von Anfang Juli bis Ende August.
Häufig übernachten die Tiere sogar in den Blüten und sind dort morgens gut zu beobachten, bevor es warm genug zum Fliegen wird.
Zum Nisten dient Totholz aller Art, zum Beispiel abgestorbene Äste, wurmstichige Bretter, alte Zaunpfähle oder reetgedeckte Dächer. Auch geeignete Nisthilfen werden manchmal angenommen. Wichtig ist natürlich, dass Glockenblumen als Pollenquelle in der Nähe blühen.
Der richtige Inhalt für den "Grünstreifen-Koffer"
Wenn ihr also oligolektische Wildbienen in euren Grünstreifen-Koffer packen wollt, müsst ihr die passenden Pflanzen aussäen.
Viele Blühmischungen aus Baumärkten oder dem Internet enthalten zwar farbenfrohe Arten wie Kosmee oder Kalifornischen Mohn, ökologisch sind sie für unsere heimischen Insekten jedoch oft nur eingeschränkt wertvoll.
Für unsere Vereinsmitglieder stellen wir deshalb kostenlose, standortangepasste Saatgutmischungen zur Verfügung. Unser Saatgut wird in der Uckermark produziert und ist regional angepasst.
Ich freue mich, wenn ihr in diesem Jahr Glockenblumen, Natternköpfe, Königskerzen, Herzgespann, Leinkraut und Ziest aussät – und im Sommer vielleicht einige polylektische und oligolektische Wildbienen in euren „Koffer“ packt.
Start unserer Ansaat
Wir starten demnächst mit unseren Ansaaten rund um den Marienplatz. Dabei wird uns das Grünflächenamt ein wenig über die Schulter schauen – schließlich geht es auch um fachgerechte Umsetzung und Verkehrssicherung.Di
Meldet euch gern bei uns und
registriert eure Fläche vor dem Haus. Wir werden das Verbindungsglied zum Grünflächenamt sein und sind Ansprechpartner für beide Seiten. So können mögliche Probleme schnell und unkompliziert gelöst werden.
Und nun: Viel Erfolg beim Duell „Ich packe meinen Koffer“ – und bei euren Wildblumenflächen!

Natternkopf mit Biene im Anflug




