ART DES MONATS • ERSTAUNLICHES AUS FLORA UND FAUNA   |  von Annette Eni

Das Heupferd (Microchiroptera)

Kein Pflanzenfresser


Wenn die Dämmerung über Berlin hereinbricht, beginnt der Einsatz einer der wichtigsten Verbündeten unserer Stadtnatur: der Fledermäuse. Insgesamt sind in Berlin 18 Fledermausarten nachgewiesen – damit gehört die Hauptstadt zu den fledermausreichsten Großstädten Europas. Sie leisten jede Nacht einen wertvollen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht, indem sie enorme Mengen an Insekten erbeuten – darunter auch den Falter des Eichenprozessionsspinners.

Heupferd - Foto: Bettina Böhme | pixabay

Die Breitflügelfledermaus - Spezialistin im Siedlungsraum

Eine der häufigsten Arten Berlins ist die Breitflügelfledermaus. Sie hat sich hervorragend an das Leben in Städten angepasst und nutzt bevorzugt Gebäude als Quartiere. Hinter Fassadenverkleidungen, unter Dachziegeln, in Dachstühlen oder Mauerspalten ziehen die Weibchen im Sommer ihre Jungen in sogenannten Wochenstuben groß. Im Winter sucht die Art frostfreie Verstecke wie Keller, Bunker oder Stollen auf.


Die Breitflügelfledermaus ist ein geschickter Jäger größerer Nachtinsekten. Zu ihrer Beute gehören Nachtfalter, Käfer und Schnaken – darunter auch die ausgewachsenen Falter des Eichenprozessionsspinners. Zwar frisst sie nicht die gesundheitsschädlichen Raupen, reduziert aber durch den Fang der Falter deren Fortpflanzungspotenzial und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur natürlichen Regulation der Population.



Bemerkenswert ist auch ihr Aktionsradius: Während viele Fledermausarten nur wenige Kilometer rund um ihre Quartiere jagen, legt die Breitflügelfledermaus regelmäßig vier bis zehn Kilometer, in Einzelfällen sogar noch größere Distanzen zwischen Quartier und Jagdgebiet zurück. Dadurch kann sie Parks, Straßenalleen, Gärten und Waldränder in einem großen Umkreis als Nahrungsgebiet nutzen.

Berlins Artenvielfalt

Neben der Breitflügelfledermaus leben zahlreiche weitere, meist kleinere Arten in Berlin. Dazu gehören unter anderem die Zwergfledermaus, die Mückenfledermaus, die Rauhautfledermaus, die Wasserfledermaus, die Fransenfledermaus sowie das Große Mausohr.


Viele dieser Arten jagen bevorzugt kleine Mücken, Fliegen oder andere nachtaktive Insekten und tragen damit ebenfalls zur natürlichen Schädlingsregulierung bei.

Großes Mausohr - Foto: Joachim Neumann | NABU

Wie viele Fledermäuse leben in Berlin?

Eine exakte Zahl gibt es nicht, da Fledermäuse frei lebende Wildtiere sind und ihre Bestände starken jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass mehrere Zehntausend Fledermäuse in Berlin leben. Die Hauptstadt verfügt über mindestens 43 bekannte größere Winterquartiere – mehr als jede andere europäische Großstadt – sowie zahlreiche Sommerquartiere in Gebäuden und alten Bäumen.


Natürlicher Artenschutz statt einseitiger Bekämpfung

Gerade angesichts der zunehmenden Ausbreitung des Nachtfalters Eichenprozessionsspinner lohnt sich der Blick auf diese nächtlichen Insektenjäger. Fledermäuse können den Schädling zwar nicht vollständig eindämmen, sind aber ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Ökosystems. Der Erhalt alter Bäume, naturnaher Grünflächen und geeigneter Quartiere an Gebäuden stärkt ihre Bestände – und damit auch einen natürlichen Mechanismus, der hilft, Insektenpopulationen im Gleichgewicht zu halten.


Der Schutz der biologischen Vielfalt ist deshalb weit mehr als Artenschutz. Er ist eine Investition in widerstandsfähige Ökosysteme, von denen letztlich auch der Mensch profitiert.


Siehe dazu auch:

Artenhilfsprogramm der SenUVK

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