
GESELLSCHAFT & VERWALTUNG | von Annette Eni
20 Jahre Bürgerbeteiligung in Berlin
Erstes Fest der Initiativen in Steglitz-Zehlendorf
Am 17. September 2006 stimmten die Berlinerinnen und Berliner in einem Volksentscheid für eine Stärkung der direkten Demokratie. 2026 jährt sich dieser Volksentscheid zum 20. Mal.
20 Jahre sind eine lange Zeit. Eigentlich genug Zeit, um Bürgerbeteiligung weiterzuentwickeln und zu einer selbstverständlichen Säule demokratischer Politik zu machen.
Doch die Berliner Bezirke haben sich unterschiedlich schnell auf den Weg gemacht. So verabschiedete der Bezirk Mitte bereits 2017 eigene Leitlinien für Bürgerbeteiligung, Lichtenberg folgte 2018 und Treptow-Köpenick 2021, um nur einige zu nennen.
Und Steglitz-Zehlendorf?
Hier wurden die Leitlinien für Bürgerbeteiligung erst im Juli 2023 verabschiedet. Gleichzeitig nahm der Raum für Beteiligung seine Arbeit auf.
17 Jahre nach dem Volksentscheid.
Das macht deutlich: Bürgerbeteiligung hatte in den Bezirken lange einen sehr unterschiedlichen Stellenwert. Aber inzwischen bewegt sich etwas. Vergangenen Freitag fand in Steglitz-Zehlendorf zum ersten Mal das Fest der Initiativen statt. Ein Novum für unseren Bezirk.
Initiativen aus den unterschiedlichsten Bereichen präsentierten ihre Arbeit im Rahmen eines Straßenfestes und zeigten, wie viel Engagement, Ideen und Gestaltungswille es in Steglitz-Zehlendorf bereits gibt.

Die Idee dafür entstand aus einem von den Initiativen angeregten und vom NUN Bildungsforum organisierten Netzwerktreffen. Aus dem Wunsch nach Austausch und Vernetzung entstand die Idee eines gemeinsamen Festes.
Die SPK Steglitz-Zehlendorf und der Raum für Beteiligung übernahmen schließlich Organisation und Finanzierung und machten das erste Fest der Initiativen möglich.
Dafür ein herzliches Dankeschön an Florian Schunk, Julian Schnitzer und das gesamte Team des Raums für Beteiligung für die Umsetzung.
Für mich ist das Fest ein wichtiges Signal. Denn Beteiligung entsteht nicht allein durch Leitlinien und Räume. Sie entsteht, wenn Menschen zusammenkommen, sich vernetzen und gemeinsam etwas bewegen.
Doch genau hier liegt auch die nächste Herausforderung: Die Menschen, die bereits engagiert sind, finden meist ihren Weg in Beteiligungsprozesse. Schwieriger ist es, diejenigen zu erreichen, die sich bisher nicht einbringen – und vor allem auch die leisen Stimmen, die in öffentlichen Diskussionen schnell untergehen.
Genau darauf möchte ich künftig einen stärkeren Fokus legen.

Ein neuer Schwerpunkt bei Zukunftslust
Mit meinem Rücktritt als Vorstandsvorsitzende von Zukunftslust habe ich bewusst Raum für eine neue Aufgabe geschaffen. Ich werde mich künftig innerhalb von Zukunftslust verstärkt für das Handlungsfeld „Gesellschaft“ engagieren.
Dabei möchte ich mich insbesondere mit der Frage beschäftigen, wie Beteiligung so gestaltet werden kann, dass nicht immer nur die Lauten und ohnehin Engagierten zu Wort kommen.
Foto: Unser neuer Vorstand mit Bezirksstadtrat U. Aykal
v.l. Bernd Fischer (Schatzmeister), Urban Aykal, Ute Stumm (2. Vorsitzende), Ulrike Linnig (1. Vorsitzende)
Eine Stimme für die Leisen
Wie erreichen wir Menschen, die bisher keinen Anlass, keine Zeit oder vielleicht auch keine Lust hatten, sich einzubringen? Wie schaffen wir Beteiligungsformen, die unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar machen und auch denjenigen eine Stimme geben, die sich sonst eher zurückhalten?
Dazu gibt es bereits ein erstes Projekt, mit dem ich mich derzeit beschäftige. Im nächsten Newsletter werde ich euch mehr darüber erzählen.
Denn das Potenzial ist da – in unserem Bezirk, in den Initiativen und vor allem in den Menschen, die hier leben.
Und ich will mich dafür einsetzen, dass es auch genutzt wird.
Politisch wie in der Vereinsarbeit.




