BIODIVERSITÄT  |  von Ute Stumm

Wo die wilden Blumen wohnen

Ein Streifzug durch Lichterfelde


Wer in Lichterfelde lebt, genießt den großen Vorzug, in der Stadt mit ihrer Infrastruktur und guten Verbindungen in die Innenstadt zu wohnen und trotzdem von viel Grün umgeben zu sein. Und wir Lichterfelder*innen sind auch schnell draußen in Brandenburgs Natur.


Lichterfelde ist ein schöner Ort für Menschen. Unsere Stadtnatur ist vielfältig und grün. Straßenbäume, grüne Plätze und viel Grün an Wohngebäuden haben uns den teilweise extrem
heißen Sommer erträglicher gemacht.

Foto: Parkfriedhof Lichterfelde

Aber schauen wir doch noch etwas genauer hin

Wildbiene auf Wilder Möhre, Nicolaistr. Ende Juli 26

Neben Wildschweinen, Füchsen, Kormoranen und Enten leben hier unzählige kleine wilde Tiere.


Doch der Gesang der Amseln, die bunten Flügel der Schmetterlinge und das Summen der Insekten werden leiser.


Viele Insekten finden in unserer Stadt immer weniger Nahrung und geeignete Lebensräume.


Dabei ist Steglitz-Zehlendorf ein ausgesprochen grüner Bezirk mit vielen Bäumen. Aber Bäume allein können das Insektensterben nicht aufhalten.


Auf den vielen Unterstreifen unter den Bäumen wachsen überwiegend Gräser und viel zu wenig

Blühpflanzen. Erst die Vielfalt der Arten und die Vielfalt der Lebensräume schaffen einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität.

Lichterfelde ist grün und braucht deutlich mehr bunt

Eines der Zauberwörter für die Förderung der Biodiversität heißt: Grünflächenpflege.

Weniger mähen und mit anderen Gräten. Ein Balkenmäher mäht deutlich höher, so dass die Wildblumen auf den Flächen eine Chance haben.


Die Mosaikmahd ermöglicht Insekten, ihren Lebenszyklus in den Flächen zu vollenden. Und mittels einer Mahdgutübertragung können artenarme Flächen aufgewertet werden.


Warum immer Saatgut kaufen, wenn wir im Bezirk bereits artenreiche Flächen haben, deren
Pflanzen sich über das Mahdgut weiterverbreiten lassen?

Foto: Park gemäht im Mai

Foto: Mosaikmahd

Sie sind längs da, die wilden Blumen

Die ehemalige Baustelle, am Hindenburgdamm zwischen Bäkestraße und Drakestraße hat sich zum Blüten Hotspot entwickelt. Dort blühen derzeit neben der Rosenmalve, das Seifenkraut, Schafgarbe und auch Rainfarn. Es ist bunt dort.


Gehen oder radeln wir über den Kanal weiter die Königsbergerstraße entlang, finden wir auf der Mittelinsel gegenüber der Tankstelle an der Gießensdorfer Straße schon seit Jahren im Juni und jetzt im August den Wiesensalbei in üppiger Blüte. Seit letztem Jahr hat er den Sprung auf die Parkseite geschafft und wächst dort sogar in den Fugen an der Straße.

Ein kleines Stück weiter in Richtung Kranoldplatz, zieren die Blüten der Skabiosen-Flockenblume mittlerweile mehrere Laternen. Und auch im weiteren Verlauf finden wir in den kleinen Baumscheiben zahlreiche Blüten, Schafgabe, Ferkelkraut und auch Seifenkraut machen Lichterfelde bunt.

Foto: Salbei auf der Königsbergerstraße

Kleinste Trittsteinbiotope als Tankstellen für Insekten

Foto: Platz des 4. Juli

Ein Ort für Artenvielfalt. Ein Ort für Biodiversität.

Brandneu, seit Juni öffentlich zugänglich ist die große, entsiegelte Fläche am Platz des 4. Juli.


Dort wurden nach der Entsiegelung 39 Bäume gepflanzt und rund 7.800 Quadratmeter Wildwiesen angelegt. Und obwohl diese Fläche in den sozialen Medien gern heftig kritisiert wird, findet dort genau das statt, was wir brauchen. Ein Ort für Artenvielfalt. Ein Ort für Biodiversität.

Wichtig ist, eine Wiese ist kein Rasen und braucht in ihrer Entwicklung deutlich mehr Zeit. Geduld ist also gefragt.


Die ersten Wildblumen sind da, im kommenden Jahr werden deutlich mehr Pflanzen dort blühen. Es wird sehr spannend werden, die dynamische Entwicklung der Fläche miterleben.

Wildblumen können warten

Den Ungeduldigen unter euch, empfehle ich einen Ausflug in die Osdorferstraße. Auf der brandenburgischen Seite wurden zahlreiche Ersatzlebensräume für Zauneidechsen und Moorfrösche geschaffen. Dort blüht es bereits bunt und vielfältig. Und es ist ganz klar: Wildblumen können warten.


Die beste Nachricht für uns: Wenn wir den vorhandenen Wildblumen die Chance geben, Samen zu bilden, um sich zu vermehren, leisten sie einen wichtigen Beitrag für unsere Insektenwelt. Gleichzeitig helfen sie uns, auch in Zeiten extremer Hitze und Dürre lebendige und funktionierende Grünflächen zu erhalten.


Samenstände sind also genauso wichtig wie Blüten. Vielleicht sogar noch ein bisschen spannender, denn sie erzählen davon, was im nächsten Jahr wiederkommen kann. Wenn wir das verstehen, können wir auch ihre Schönheit erkennen.


Also: Schlendert doch einmal mit offenen Augen durch unseren Bezirk. Schaut auf die Baumscheiben, Wegränder, Wiesen und kleinen Restflächen.


Wo wohnen eure wilden Blumen? Ich freue mich auf eure Sichtungen! Schreibt mir gerne eine Email.

Foto: Malve

Foto: Samenstände

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