ART DES MONATS • ERSTAUNLICHES AUS FLORA UND FAUNA   |  von Lisa Wiebe

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax)

Wie umgehen mit invasiven Arten in unserem Ökosystem?


Hornissen sind respekteinflößende Raubinsekten, die laut brummend ihrer Wege fliegen. Sie gehören zu den sogenannten Faltenwespen und ernähren sich nicht nur von Nektar, reifem Obst oder Pflanzensäften sondern machen, um ihren Nachwuchs mit eiweißreicher Kost zu versorgen, auch gerne mal Jagd auf andere Insekten.

Saugt sie nur den Nektar oder hat sie es auf die anderen Insekten auf der Blüte abgesehen?

Foto: Josselin auf wikimedia 

Die asiatische Hornisse ist auf dem Vormarsch

Die asiatische Hornisse wurde seit 2016 als invasive Art nach EU-Liste geführt. Eine gebietsfremde Art gilt immer dann als invasiv, wenn sie die Populationen von heimischen Arten gefährden und sollten daher bekämpft werden. Seit März 2025 gilt die Asiatische Hornisse als etabliert in Deutschland, wodurch die Bekämpfungspflicht entfällt, weil man keine Chance mehr sieht, sie erfolgreich auszurotten.


Die Kolonien der Asiatischen Hornisse sind mit bis zu 2.000 Tieren größer als die der Europäischen Hornisse mit bis zu 700 Individuen. Sie benötigen also auch mehr Futter, fangen also auch mehr heimische Insekten weg. Und während die BILD, wie man das so kennt im Umgang mit neuen Mitbürgern, eine ihrer Hetz-Kampagnen gegen die „Killer-Hornissen“ führt, melden sich auch seriösere Medien zu Wort und berichten über die besorgniserregende, schnelle Ausbreitung der Art in den westlichen Bundesländern. Aggressiver als die europäischen Verwandten ist die Asiatische Hornisse jedoch nicht.

Die Honigbiene auf dem Speiseplan

Besonders Imkern sind die Stechinsekten ein Dorn im Auge: Eine Studie zu den Populationen in Großbritannien, Frankreich und Spanien (Petersen et al. 2025) zeigt, dass Honigbienen neben vielen weiteren Insektenarten besonders häufig auf dem Speiseplan der Asiatischen Hornisse stehen.


Und tatsächlich gibt es auch Augenzeugenberichte, von Asiatischen Hornissen, die gezielt vor dem Eingang von Bienenkästen ein- und ausfliegende Arbeiterinnen abgepasst und erbeutet haben, sodass der Hofstaat der Honigbienen schließlich zusammenbrach.


Und auch Obstbauern haben berechtigte Sorge um ihre Ernte, weil die erwachsenen Tiere eben auch von Ost ernähren, und dies in Frankreich bereits zum Problem geworden ist. 

Imker - Foto: Jo Stolp | pixabay

Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner als die Europäische Hornisse, und kann an dem dunkleren Körper und gelben Füßen von der rotbraun und gelben heimischen Art unterschieden werden. Jedoch sollte man sich immer professionelle Hilfe suchen, wenn man die Nester der Tiere sichtet und entfernen will, da die Europäische Hornisse unter strengem Schutz steht und nicht geschädigt werden darf. Dafür gibt es viele ehrenamtliche Hornissenberater.


Der Eingriff ins Ökosystem hat immer Folgen

In meinen Augen ist das Problem mit den Honigbienen und Hornissen ähnlich wie mit Wölfen und Schafen: Der neue Prädator ist da und wir müssen eben sehen, wie wir damit umgehen. Denn auch Honigbienen sind, genau wie Schafe, auf Leistung gezüchtete Nutztiere, die hilfreiche Ökosystemdienstleistungen für uns übernehmen. Die einen halten Flächen offen und nutzen Gräser als Nahrung, die wir nicht verdauen können, die anderen bestäuben unser Obst und Gemüse.


Was die Asiatische Hornisse uns jedoch vor Augen führen sollte, ist die Tatsache, dass wir Menschen zwar sehr viel Landschaft und ihre Bewohner um uns herum ganz nützlich und effizient für uns gestalten können, aber am Ende sind wir Menschen es selbst, die dann die Arten einschleppen, die diese unsere Systeme gefährden. Und das soll keine Schuldzuweisung sein, sondern eine Einladung, darüber nachzudenken, was es bedeutet, im Kleinen wie im Großen in Ökosysteme einzugreifen, ohne das Wissen, was das tatsächlich für Folgen haben kann.



Foto: wikimedia

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