GESELLSCHAFT  |  von Annette Eni

5. Deutscher Klimatag

Klimaschutz für alle? Wer bei der Transformation eigentlich mitreden darf


Unter dem Motto “Klimaschutz mit Anschluss” hat der 5. Deutsche Klimatag der parteiunabhängigen Klima-Allianz am 13. Oktober 2026 in Berlin stattgefunden.


Im Panel „Energiewende heute: Wo stehen wir, wo wollen wir hin?“ war der übergreifende Tenor, dass Klimaschutz und Klimaanpassung nur gelingen kann, wenn sie alle Gesellschaftsschichten mitnimmt, ohne dass jemand abgehängt wird. Die Dringlichkeit war allen klar. Wie hoch die Hürden für echte Teilhabe sind, wurde aber fast noch deutlicher.

Klimaschutz für alle? 

Zwischen dem, was auf den Podien gefordert wurde, und dem, was bei vielen Menschen im Alltag ankommt, klafft eine ziemliche Lücke.


So machte Verena Bentele (VdK) auf dem Podium klar, dass Teilhabe am Klimaschutz heute oft schlicht am Geld scheitert. Der Ansatz müsse niederschwellig sein, und benachteiligte Gruppen gehörten von Anfang an mit an den Tisch. Sie kritisierte zudem, dass man die Kosten für Sanierung oder Wärmepumpe nicht auf Mieterinnen und Mieter abwälzen dürfe, die über die Heiztechnik am Ende sowieso nicht entscheiden können. In der Mobilität wünscht sie sich einen starken ÖPNV statt Pauschalmaßnahmen wie dem Tankrabatt, dazu eine Förderung, die sich nach dem Einkommen staffelt


Dr. Christine Falken-Großer, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V., bezog sich auf die jüngste Forsa Umfrage zur Energieversorgung und konstatierte, dass die Erneuerbaren mit 436.000 Arbeitsplätzen längst einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellen und dort in den letzten acht Jahren rund 200.000 neue Arbeitsplätze entstanden sind, während die Automobilindustrie Stellen abbaut. Dazu komme die regionale Wertschöpfung in Milliardenhöhe, und das, während Deutschland noch immer etwa 80 Milliarden Euro im Jahr für fossile Importe ausgibt. Ihre Kritik ging in Richtung Bundesregierung, die mit ihren Maßnahmen diesen Wirtschaftzeig abzuwürgen drohe. Ihr Fazit: „Wir sind die zukünftige Wirtschaftskraft.“


Julian Thoss, Nationalkoordinator Deutschland der Klima-Allianz Deutschland e.V., schilderte, dass vielen Kommunen schlicht das Geld fehlt. Solange Klimaschutz und Klimaanpassung freiwillige Aufgaben sind, wird das auch so bleiben. Er fordert, sie zur Pflichtaufgabe zu machen, mit einer Bund-Länder-Finanzierung, einfachen Anträgen und einer Vollförderung für finanzschwache Kommunen. Sein Fazit dazu: „Klimaschutz darf nicht von der Finanzkraft abhängen.“


Lutz Weischer von Germanwatch erinnerte daran, dass die Erneuerbaren weltweit exponentiell wachsen. Gegen diesen Trend kann sich auf Dauer keine Politik stellen. Damit alle davon profitieren, von der Wärmewende über die Solarförderung bis zu digitalen Stromnetzen, braucht es weiterhin den Druck aus der Zivilgesellschaft.


Wer redet hier eigentlich über wen?

Die Konzepte gehen in die richtige Richtung, sozial gestaffelte Förderung genauso wie die Entlastung klammer Kommunen. Trotzdem bleibt ein komisches Gefühl.

Ein Panel mitten am Werktag um 12 Uhr erreicht eben vor allem priviligierte Leute, die dafür Zeit haben. Wer Schicht arbeitet, Vollzeit im Job steckt oder Angehörige pflegt, sitzt dort nicht im Publikum. Auf dem Podium saßen zudem fast nur Vertreterinnen und Vertreter etablierter Verbände.


Wieder einmal wurde über die Menschen gesprochen, die unter den steigenden Preisen leiden und die Klimaschutz hauptsächlich mit finanziellen Einbußen verbinden, statt mit ihnen zu reden. Wenn die Transformation gelingen soll, reicht es nicht, Förderprogramme von oben sozial abzufedern. Wir müssen die Leute hören, die im Alltag an den Hürden scheitern. Erst dann ist Klimaschutz kein Projekt für eine Elite mit viel Zeit und Geld mehr, sondern eines für alle.

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