ART DES MONATS • ERSTAUNLICHES AUS FLORA UND FAUNA   |  von Lisa Wiebe

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

Auch in Berlin wird die Art immer häufiger beobachtet


Vielleicht habt ihr sie in diesem Sommer trotz ihrer hervorragenden Tarnung schon gesehen: Die Gottesanbeterin. Der erste Fund in Berlin 1998 war eine Sensation, denn diese Art liebt die Wärme und breitet sich erst in den letzten Jahren immer weiter Richtung Norden aus. Sie ist nach wie vor als gefährdet eingestuft und steht in Deutschland unter besonderem Schutz.

Gut getarnt wartet die Gottesanbeterin auf Beute | Foto: Asis Lohorung | Pixabay

Auch wenn die aktive Zeit dieser Art mit den ersten frostig kalten Nächten im Herbst endet, ist sie ein schönes Beispiel für eine unter den Insekten viel verbreitete Überwinterungsform. Die Weibchen legen im Sommer nach der Paarung die sogenannten Ootheken in dichten Sträuchern oder an Felsen ab. Das sind Ei-Pakete mit bis zu 200 Eiern, die mit der Zeit erhärten und die Brut bis zum Frühjahr auch bei -40°C schützen. Im Mai schlüpfen dann die Jungtiere, die als Nymphen bezeichnet werden, ähnlich wie bei den Wanzen.

Sterben für den Nachwuchs

Besondere Faszination und manchmal auch Ekel löst ein Verhalten der Tiere aus, das als „Sexualkannibalismus“ bezeichnet wird.


Dabei frisst das Weibchen das etwas kleinere Männchen nach der Paarung auf. Dies geschieht in freier Natur jedoch nicht bei jeder Paarung und oft genug kommt das Männchen lebendig davon.


Dieser Sexualkannibalismus kommt bei mehreren Gottesanbeter-Arten vor. So auch bei Gottesanbeterinnen aus der Gattung Hierodula. Diese kommen teilweise aus der Terraristik und finden Dank des Klimawandels ebenfalls an vielen Orten Deutschlands günstige Bedingungen vor.

Ganz unscheinbar hängt die Oothek an einem Strauch

Foto: Cap Bon | wikimedia

Foto: flutie8211 | pixabay

Der Lockstoff, den die Weibchen der Gottesanbeterinnen aussenden, um Männchen zur Paarung anzulocken ist jedoch nicht artspezifisch, sodass es vorkommen kann, dass Männchen der heimischen Arten angelockt und dann ohne Paarungserfolg verspeist werden können, was in größerer Menge die Population der Europäischen Gottesanbeterin negativ beeinflussen kann.


Darum ist es sehr wichtig, dass man auf keinen Fall Tiere aus dem Terrarium aussetzt, auch bei Insekten. Denn jedes Tier und jede Pflanze kann ein Ökosystem beeinflussen.


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