BIODIVERSITÄT  |  von Ute Stumm

Ein überraschendes Ereignis

Ein kleiner Rückblick, was zwischen zwei Newslettern passieren kann


Mir ist leider dieser Monat zwischen den Newslettern ein bisschen verloren gegangen. Mit guten Vorsätzen hatte ich begonnen, mich in mein Thema für den Oktober-Newsletter einzuarbeiten:


Ordnung und Sauberkeit im Garten. Oder besser gesagt: Warum wir im Garten eigentlich so viel aufräumen.


Denn auch in meinem Arbeitsalltag als Naturgartenplanerin und mit meiner ausführenden Firma sind manche Themen echte Dauerbrenner. Und selbst für einen Naturgarten kommt irgendwann die Frage: „Wann machen wir den Garten winterfest?“
Also aufräumen, zurückschneiden, sauber machen – Ordnung schaffen.

Foto: Ordentlich oder Wild?

Woher kommt eigentlich Ordnung im Garten?

Dabei beschäftigt mich schon lange eine Frage: Warum haben wir im Garten überhaupt ein so ausgeprägtes Bedürfnis nach Sauberkeit und strenger Ordnung? Und wie verträgt sich das eigentlich mit Garten und Natur?


Der Begriff Stadtnatur lässt inzwischen schon etwas mehr Wildheit und Struktur im Garten erahnen. Aber woher kommt unser Bedürfnis nach dem aufgeräumten Garten eigentlich?


Also habe ich angefangen zu recherchieren. Dabei bin ich auf einen sehr interessanten Artikel von Prof. Dr. Swantje Duttweiler gestoßen. Sie lehrt an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und ich durfte sie in meinem beruflichen Leben schon mehrfach auf Tagungen erleben – eine unglaublich engagierte und inspirierende Frau.


In ihrem Artikel „Leitbilder der Pflanzungen in Hausgärten und öffentlichen Anlagen der Nachkriegszeit“ beschäftigt sie sich unter anderem mit der Pflanzenverwendung der Nachkriegszeit.

Foto: Meisen mögen wilde Gärten.

Dabei wird deutlich, welche Bedeutung die Wirkung von Grün im Stadtbild damals hatte. Pflanzungen sollten nach den Entbehrungen und Zerstörungen des Krieges heiter, freundlich und farbenfroh wirken.


Saisonale Wechselbepflanzungen waren ein wichtiges Gestaltungsmittel. Eine Form der Pflanzung, die uns bis heute begegnet – zum Beispiel am Mexikoplatz in Zehlendorf.Vielleicht liegt auch hier ein Teil der Geschichte unseres Wunsches nach Ordnung im Garten. Und auch ich habe meine ganz persönliche Gartengeschichte dazu.


Ich bin in einem solchen aufgeräumten Garten aufgewachsen. Mein Großvater pflanzte alles an einer Schnur entlang. Im Frühjahr blühten bunte, großkelchige Tulpen wie auf einer Perlenschnur vor den damals modernen Blaufichten.


Heute sehen wir Garten und Stadtnatur mit anderen Augen. Wir wissen um die Bedeutung von Strukturen, Altgras, Samenständen, Totholz und offenen Bodenstellen. Wir wissen, dass genau das, was für uns manchmal nach „Unordnung“ aussieht, für Wildbienen, Käfer, Schmetterlinge und viele andere Tiere wertvoller Lebensraum sein kann.


Wieder einmal kam alles anders!

Denn während ich noch recherchierte, stand schon der nächste Workshop im Gemeinschaftsgarten wachsenlassen vor der Tür. Und diesmal wurde es ziemlich aufregend.


An einem Freitagnachmittag haben wir mit der tatkräftigen Unterstützung großartiger freiwilliger Helfer ein Mehrfamilienhaus für Wildbienen gebaut, ein sogenanntes Sandarium.


Ein Ort, an dem Wildbienen nicht nur Nahrung, sondern auch geeignete Nistplätze finden können. Mit Sand, Steinen und offenen Bodenstellen. Nicht besonders spektakulär – aber ökologisch ausgesprochen interessant.

Und dann kam die nächste Überraschung:


Julia Vissmann von radioeins war auch da.

Und plötzlich war nicht mehr nur das Sandarium Thema meines Tages, sondern ich durfte Julia ein kleines Interview über Wohnraum für Wildbienen geben.


Damit ist mein geplanter Artikel über Ordnung und Sauberkeit im Garten zwar noch nicht fertig. Aber vielleicht ist das ja gar nicht so schlimm.

Foto: Das wachsenlassen Sandarium

Denn manchmal kommt eben etwas dazwischen, das viel spannender ist als das, was man eigentlich geplant hatte.

Und deshalb möchte ich euch heute einladen, Julia und mir ein bisschen zuzuhören – und mehr über Wohnraum für Wildbienen zu erfahren.


Vielleicht ist ein Garten manchmal genau dann am lebendigsten, wenn wir ihn nicht ganz so ordentlich hinterlassen.


Und vielleicht ist das auch ein guter Grund, den Garten in diesem Herbst nicht allzu gründlich aufzuräumen.


Aber jetzt möchte ich euch erst einmal mitnehmen zu unserem kleinen Wildbienen-Mehrfamilienhaus.

Julia Vissmann von radioeins hat mich an diesem Nachmittag begleitet und mit mir darüber gesprochen, warum Wildbienen nicht nur Blüten, sondern vor allem auch geeignete Nistplätze brauchen.

Hört doch einmal rein – vielleicht bekommt ihr dabei ja Lust, im eigenen Garten ein kleines Stück „Unordnung“ für Wildbienen zu schaffen.

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