
ENERGIE | von Ulrike Linnig
Kooperation mit dem EU-Projekt HeaTogether
Wärmewende mit Zukunftslust
Am 23. September fiel der Startschuss für unsere Zusammenarbeit mit dem EU-geförderten Projekt HeaTogether. Das Projekt unterstützt rund 15 Vorreiter-Quartiere in Österreich, Tschechien, Deutschland und den Niederlanden dabei, konkrete Pläne für klimafreundliches Heizen und Kühlen zu entwickeln – und unser Kiez rund um den Marienplatz ist mit dabei!
Für uns bedeutet das jede Menge Rückenwind: Fachleute unterstützen uns mit technischem, finanziellem und organisatorischem Wissen, damit wir den Wandel zum klimaneutralen Heizen und Kühlen bei uns vor Ort voranbringen können.
Die Projektpartner

An unserer digitalen Auftaktveranstaltung nahmen Vertreter aller Projektpartner teil:
- Dr. Jakob Metz und Prof. Dr. Martin Pehnt, Geschäftsführer des ifeu Instituts für Energie- und Umweltforschung,
- Prof. Thomas Giel, Professur für nachhaltige Gebäudeenergiesysteme an der Hochschule Mainz, und
- Benjamin Dannemann vom DGRV (Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V.)
Zukunftslust war vertreten durch Bernd Fischer (unser Finanzmeister), Günter Schlusche (Architekt und Besitzer einer Erdwärme-Wärmepumpe) und Ulrike Linnig (zuständig für positive Energie).
Das Treffen hat gezeigt: Die klimaneutrale Zukunft, auf die wir alle Lust haben, ist machbar – und zwar nicht irgendwann, sondern schon jetzt.
Projektüberblick
Regelmäßige Leserinnen und Leser unseres Newsletters wissen es schon: Bestehende Wohngebiete stoßen auf dem Weg zum klimaneutralen Heizen auf große Hürden. Die Fernwärme ist noch lange nicht klimafreundlich (in Berlin stammen derzeit rund 90 % aus Erdgas und Kohle). Und eine Anlage für jedes einzelne Haus braucht viel Platz und viel Geld. Hier kommen Quartiersnetze ins Spiel: Nachbarinnen und Nachbarn versorgen sich gemeinsam mit Wärme und Kälte. Das ist besonders günstig, weil zentrale Bestandteile der klimafreundlichen Versorgung, wie Erdwärmesonden, Bohrungen oder Heizzentralen, gemeinsam erschlossen und genutzt werden. Das rechnet sich trotz der Mehrkosten für das Netz, wenn sich genügend Haushalte anschließen.
HeaTogether will die Wärme- und Kälteversorgung in Städten und dicht besiedelten Vororten klimaneutral machen. Genau dort entsteht häufig eine Lücke: Klassische Fernwärme kommt nicht in jedes Quartier, zugleich ist der Umstieg auf klimafreundliche Einzellösungen im verdichteten Bestand nicht leicht umzusetzen. Ganz praktisch hilft uns das Projekt dabei, einen Plan zu entwickeln und Antworten auf unsere wichtigsten Fragen zu finden: Welche Technik ist sinnvoll? Was kostet das Ganze? Welche Förderung gibt es? Wer betreibt das Quartiersnetz? Und wie viele Mitmachende brauchen wir, damit es sich rechnet?
Weitere Vorteile von Quartierslösungen:
- Sie sparen Platz: Mehrere Grundstücke teilen Erdwärmesonden oder andere Wärmequellen.
- Sie können im Sommer auch kühlen, günstig und effizient mit Erdwärme oder Grundwasser, wenn die Häuser dafür geeignete Heizflächen haben.
- Sie bringen den Klimaschutz schneller voran: Gemeinsam investiert es sich leichter, und wer mitmacht, steckt andere an.
- Sie sind unabhängig und befinden sich im gemeinschaftlichen Eigentum.
Genau diesen Schwung wollen wir bei Zukunftslust nutzen, um unsere Nachbarschaft gemeinsam klimafreundlich zu machen.

Erster Schritt: Potenzialabschätzung

Quelle: Geoportal
Zuerst prüfen ifeu und HS Mainz, welche Teile unseres Kiezes sich am besten für ein Quartiersnetz eignen.
Dafür werten sie Daten des Berliner Wärmeplans 2026 und des Geoportals aus und klären Fragen wie:
Wo ist Platz für Bohrungen? Ist ein Oberflächengewässer oder Grundwasser nutzbar? Gibt es Naturschutzauflagen? Denkmalschutz? Wo verlaufen Abwasserkanäle? Welche großen Gebäude könnten als „Ankerkunden“ mitmachen? Wo stehen die Häuser so dicht und brauchen so viel Wärme, dass sich ein Netz lohnt?
Bis Ende November erwarten wir eine erste Einschätzung, welche Gebiete am besten geeignet sind.
Links der Kiez um den Marienplatz im Berliner Wärmeplan 2026.
Zweiter Schritt: Geschäftsmodell
Gemeinsam mit dem DGRV finden wir heraus, welches Geschäftsmodell zu unserem Quartiersnetz passt, zum Beispiel eine Genossenschafts- bzw. Bürgerenergielösung, in der wir als Bürgerinnen und Bürger selbst die Eigentümer sind. Dabei klären wir auch, wie wir genug Startkapital zusammenbekommen, wie viel wir ehrenamtlich stemmen können und ob wir den technischen Betrieb lieber Profis überlassen.
Das hängt auch davon ab, wen wir als „Ankerkunden“ gewinnen können.
Ankerkunden in einem Wärmenetz sind große, langfristig gebundene Teilnehmer, die die Wirtschaftlichkeit und die Grundlast eines Nahwärmenetzes sichern, als Abnehmer, als Abwärmequelle oder beides. Das Netz wird gewissermaßen an ihnen „verankert“. Typische Beispiele sind Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude, große Wohnanlagen von Wohnungsbaugesellschaften, Schwimmbäder oder Gewerbebetriebe.

Foto: Malachi Witt | Pixabay
Dritter Schritt: Mitmacher gewinnen
Der dritte Schritt ist nicht mehr Teil des Projektes – hier kommt es auf uns an. Mit dem Wissen aus HeaTogether im Gepäck gehen wir auf mögliche Ankerkunden und auf Anwohner und Anwohnerinnen zu, gründen die passende Organisation, schreiben Förderanträge und bauen unser Netz!
Die gute Nachricht
In Berlin passiert gerade einiges, und seit der Veröffentlichung des Wärmeplans gibt es immer mehr Unterstützung für Initiativen wie unsere. Im Frühjahr 2026 haben die etwa 20 Berliner Wärmewende-Initiativen aus der Zivilgesellschaft damit begonnen, sich zu vernetzen. Seit Anfang August begleitet die vom Senat finanzierte Wärmewendeagentur die Wärmewende in Berlin. Unsere geliebte Hauptstadt ist zwar noch längst kein Vorreiter, aber mit dem Herbstwind weht gerade etwas Aufbruchstimmung durch die Stadt. Und wir als Bürgerinnen und Bürger können unsere Zukunft mitgestalten!


