
WIRTSCHAFT | von Annette Eni
Biodiversität als Erfolgsfaktor
2. Jubiläum des Berliner Bündnisses für Biodiversität
Biologische Vielfalt ist die Grundlage wirtschaftlicher Stabilität. Unternehmen stehen heute vor der Aufgabe, ökologische Verantwortung mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden. Mit dem Bündnis für Biodiversität hat die IHK vor zwei Jahren Unternehmen dazu eingeladen, die Förderung biologischer Vielfalt in ihr Firmenkonzept als festen Bestandteil zu integrieren: praxisnah, strategisch und umsetzbar.
Waren es vor zwei Jahren 16 Unternehmen, die sich diesem Bündnis anschlossen, so sind es heute bereits über 40 Unternehmen, die Projekte zur Steigerung der Artenvielfalt durchführen. Anlässlich des zweites Jahrestages fand am 29. April ein Netzwerktreffen mit vielen spannenden Vorträgen und Unternehmenspitches in der Malzfabrik statt und wir waren dabei.

Bittere Fakten zum Veranstaltungsauftakt
Eine bessere Location für dieses Netzwerktreffen hätte man kaum finden können: Die Malzfabrik –Inmitten der lauten Großstadt ein wahres Idyll und der Beweis, dass sich auch alte Industriegelände in wahre Naturoasen verwandeln lassen.
Mit dem Impulsvortrag von Dr. Valerie Köcke, der das Publikum, angefangen bei den ökologischen Kipppunkten der Welt, über die damit zusammenhängenden ökonomischen Gefahren bis hin zum 6. großen Artensterben, auf einen gemeinsamen bitteren Sachstand brachte, wurde das Vortragsprogramm eröffnet.

Von 1970 bis 2025, also in einem Zeitraum von nur fünfundfünfzig Jahren, sind weltweit 73% der Wirbeltierarten ausgestorben. – Und dieser Prozess nimmt weiterhin rasant zu. Daher wird von dem 6. Massensterben seit der Erdentstehung gesprochen.
Welche Auswirkungen dieser Umstand auf die Spezies Mensch am Ende hat, können die Wissenschaftler nur vage vermuten. Dr. Köcke machte jedoch deutlich, dass, wenn wir nicht vehement den Raubbau an der Natur und den Prozess der Erderwärmung aufzuhalten versuchen wir ökonomisch wie ökologisch auf einen Kollaps zusteuern und appellierte an alle Unternehmen, sich für eine Umkehr stark zu machen.
Die Pitches
Bei den Pitches stellten acht Unternehmen vor, wie sie mit Biodiversitätsprojekten, meist auf ihren Firmengeländen, nicht nur für mehr Artenvielfalt sorgen, sondern durch das Einbeziehen der Mitarbeiter auch für Wissenstransfer und eine Bewusstseinsveränderung bei diesen erzielen. Hinzu kommt ihre Multiplikatorenfunktion, so dass sich die Botschaft des notwendigen Biodiversitätserhalts weiter verbreitet.

Besonders spannend fand ich das Projekt des Personalberatungsunternehmens Selaestus, dass über kein eigenes Firmgelände verfügt und daher 2017 einen 20 ha großes Waldstück in Brandenburg gekauft hat, um dort unter dem Projektnamen "Grow Project" viele verschiedene Baumarten anzusiedeln. Für jede neu besetzte Position pflanzt Selaestus einen Baum mit Charakter als Symbol für einen ganzheitlichen, langfristigen und wertschätzenden Ansatz im Umgang mit Human Resources. Für erfolgreich platzierte Kandidat:Innen wird ein der Persönlichkeit des Menschen entsprechender Baum angepflanzt, so dass sich mittlerweile in dem Wald schon mehr als 30 verschiedene Baumarten befinden. –Und nicht selten kommt es vor, dass Bewerber:innen schon im Bewerbungsprozess angeben, welchen Baumcharakter sie gerne verkörpern möchten.
Was hat das mit Zukunftslust e.V. zu tun?
Für mich zeigt dies, dass sich ökologisches Bewusstsein und Handeln mit jeder Art Business verbinden lässt und noch dazu eine tiefe emotionale Bindung zur Natur herstellen kann.
Im Augenblick ist Zukunftslust ein Verein, aber in unserer Zielstellung ist das Aufsetzen von gemeinwohlorientierten Geschäftmodellen vorgesehen, also die Ausgründung von Social Economy Unternehmen, wie z.B. eine Energiegenossenschaft, ein Mobilitäts-Sharing für die Anwohner oder einen genossenschaftlich organisierter Nahrungsanbaubetrieb oder Supermarkt. Ein Schönes Beispiel hierfür ist der SuperCoop, dessen Ansatz mich total begeistert.
Bei all diesen Bestrebungen schwingt also der Gedanke mit, sich ein eigenes soziales und ökonomisches Ökosystem aufzubauen, das nicht nur Nutzen für die Anwohnenden bringt, sondern auch Arbeitsplätze bietet.
Daher war die Veranstaltung mit der Vorstellung der Studie und den Pitches verschiedener Social Economy Unternehmen sehr inspirierend und darüber hinaus sehr aufschlussreich, an wen man sich beispielsweise für eine Gründungsunterstützung wenden kann.






