
ENERGIE | von Ulrike Linnig
Warum ein Heizungstausch jetzt Sinn macht
Das Problem: Alte fossile Heizungen kosten immer mehr Geld
Am 21. April war ich auf der Jahresveranstaltung von ESYS (Energiesysteme der Zukunft) mit dem schönen Titel „Mehr Energiewende wagen – Kurs halten in stürmischen Zeiten“.
ESYS ist eine Initiative der Wissenschaftsakademien für eine nachhaltige, sichere und bezahlbare Energieversorgung, also genau das Thema, mit dem sich auch Zukunftslust beschäftigt. Es war eine tolle Gelegenheit, von den führenden Forschern Deutschlands zu hören.
Gleich am Anfang sprach Robert Schlögl, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung und ESYS-Gründungsmitglied, den schönen Satz „Die Verantwortung für die Energiewende liegt beim Nutzer, denn der muss alles zahlen.“
Inspiriert davon habe ich für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer zusammengefasst.

Alte Gas- und Ölheizungen verbrennen unnötig Geld
Rund zwei Drittel aller Gasheizungen in Deutschland sind älter als 20 Jahre. Alte Heizungen arbeiten ineffizient – sie verbrauchen viel Gas oder Öl, erzeugen aber vergleichsweise wenig Wärme. Das Geld, das man dafür ausgibt, wird also teilweise verschwendet.
Rechenbeispiel: Ein Einfamilienhaus (130 m²) zahlt mit Gasheizung rund 1.730 € im Jahr für Heizenergie.
Mit einer Wärmepumpe wären es rund 1.450 € – eine Ersparnis von etwa 300 € pro Jahr. (Quelle: Heizspiegel)
Mit günstigem Wärmepumpen-Stromtarif und guter Dämmung kann die Ersparnis noch deutlich höher ausfallen.
Warum Gas und Öl künftig noch teurer werden
Wer hofft, dass Energiepreise wieder sinken, sollte drei Entwicklungen kennen:
- Der CO₂-Preis steigt. Seit 2021 gibt es diese Abgabe auch auf Gas und Öl, um einen marktwirtschaftlichen Anreiz darür zu setzen, dass wir weniger Treibhausgase ausstoßen. Bis 2040 könnte der Preis auf über 300 € pro Tonne steigen – das treibt die Heizkosten direkt in die Höhe.
- Die Netzentgelte steigen. Wenn immer mehr Haushalte aus dem Gasnetz aussteigen, müssen die verbleibenden Haushalte die Netzkosten unter sich aufteilen. Bis 2045 könnten das 3.000 bis 4.000 € Mehrkosten pro Haushalt und Jahr sein.
- Grüne Brennstoffe werden Pflicht – und sind teuer. Ab 2029 müssen fossile Heizungen einen wachsenden Anteil Bio-Erdgas oder Wasserstoff nutzen. Diese Brennstoffe sind auf absehbare Zeit deutlich teurer als normales Gas.
Dazu kommen
geopolitische Risiken: Kriege und Krisen haben Gas- und Ölpreise in der Vergangenheit immer wieder kurzfristig in die Höhe getrieben. Eine Wärmepumpe macht dich von solchen Schwankungen unabhängig.
Die Förderung: Jetzt noch bis zu 70 % Zuschuss
Der Staat unterstützt den Heizungstausch finanziell – aber nur, wenn man rechtzeitig handelt:
• 30 % Grundförderung beim Tausch einer alten Heizung gegen eine klimafreundliche
• 20 % Geschwindigkeitsbonus für alle, die bis 2028 tauschen (danach sinkt er alle zwei Jahre)
• 30 % Einkommensbonus bei einem Jahreseinkommen unter 40.000 €
• 5 % Effizienzbonus für besonders effiziente Wärmepumpenmodelle
Wichtig:
Den Geschwindigkeitsbonus gibt es nur bei freiwilligem Tausch – wer wartet, bis die Heizung kaputt ist, bekommt ihn nicht. Außerdem rechnen Brancheninsider damit, dass die Förderbedingungen sich noch 2026 verschlechtern könnten.
Die Wärmepumpe steigert den Wert deines Hauses

Häuser mit Wärmepumpe erzielen laut einer Auswertung von ImmobilienScout24 im Schnitt 43 % höhere Verkaufspreise als vergleichbare Häuser ohne.
Bei einem Haus im Wert von 500.000 € wären das theoretisch über 200.000 € Unterschied.
Eine Modellrechnung von CO2Online zeigt:
Die Wertsteigerung durch energetische Sanierung plus Wärmepumpe kann die Investitionskosten vollständig ausgleichen – ohne Fördergelder und Heizkostenersparnis einzurechnen.
Frühling-Sommer: Der beste Zeitpunkt zum Handeln
Wenn die Heizung im Winter kaputt geht, muss man schnell handeln – und man zahlt häufig mehr. Im Frühling und Sommer dagegen:
• läuft die Heizung sowieso kaum, die Installation stört den Alltag weniger
• haben Fachbetriebe mehr Kapazitäten und Zeit für sorgfältige Planung
•
lassen sich mehrere Angebote in Ruhe vergleichen – was viel Geld sparen kann
So gehst du es an – Schritt für Schritt
• Energieberatung holen
Die Verbraucherzentrale oder BauInfo Berlin bieten kostenlose oder günstige Anfangsberatungen an. Ein zertifizierter Energieberater kann einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellen – der wird selbst mit 50 % gefördert.
• Heizlastberechnung beauftragen
Ein Fachbetrieb prüft, ob und welche Art von Wärmepumpe sich für dein Haus eignet.
• Mehrere Angebote einholen
Preise und empfohlene Modelle variieren stark. Unbedingt auf Förderfähigkeit der Geräte achten (z.B. sind sie „netzdienlich“?).
• Förderantrag stellen – vor Baubeginn
Der Antrag bei der KfW muss gestellt sein, bevor die Arbeiten beginnen. Das kann auch der Installationsbetrieb übernehmen.
Zusammengefasst
Wer mit Gas oder Öl heizt und die Möglichkeit hat zu wechseln, sollte jetzt planen. Die Förderung ist gut, die Kosten für fossile Energie steigen absehbar weiter – und ein gut geplanter Heizungstausch im Sommer ist günstiger, stressfreier und nachhaltiger als ein Notfall-Einbau im Winter.
Noch Fragen? Dann kommt am 12. Mai zu unserem Informationsabend ins LIO.
Wir möchten euch einen Überblick über die aktuellen Rahmenbedingungen zur Wärmewende, gesetzliche Anforderungen, die kommunale Planung und mögliche Technologien geben, und die bereits von Zukunftslust erarbeiteten Ideen vorstellen. Außerdem erzählen Menschen aus dem Kiez, wie sie die Heizungen ihrer Häuser und Wohnungen klimafreundlicher gemacht haben, und was sie dabei gelernt haben.
Sei dabei und melde dich schnellstmöglich über den Button an.







