
GESELLSCHAFT | von Annette Eni
Learnings aus dem Notfallvorsorgekurs des ASB
Was gilt es im Katastrophenfall zu berücksichtigen?
Rund 25 Personen waren unserer Einladung zum Notfallvorsorgekurs des Arbeiter Samarieter Bunds (ASB) gefolgt und informierten sich über richtiges Verhalten und vorsorgliche Maßnahmen im Katastrophenfall.
Wer dachte, dass drei Stunden ganz schön lang sind, wurde eines besseren belehrt, denn die Workshopleiterin holte die Teilnehmenden auf eine ganz emotionale persönliche Weise ab, so dass die Zeit wie im Flug verging.

Du hast 3 Minuten, was nimmst du mit?
Stell dir vor, du kommst Abends von einer Feier nach Hause und dein Wohnhaus brennt. Die Feuerwehr ist bereits vor Ort und ein Feuerwehrmann gibt dir drei Minuten, um noch ein paar Sachen rauszuholen. Was nimmst du mit?
Klar, wirst du jetzt sagen: Dokumente, Brille/Hörgerät, Medikamente, Klamotten, Laptop, Ladekabel, Geld, Familienschmuck...
Aber im Ernst, in drei Minuten an all diese Dinge zu denken, ist nicht so ganz leicht und dabei stehst du auch noch unter Stress und bist im Panikmodus.
Es muss auch nicht unbedingt ein Hausbrannt sein, der mit einem Aufenthalt in einer Notunterkunft endet, da gibt es noch Hochwasser, Sturm, Stromausfall oder Chemieunglück und schwups landest du in einer Notunterkunft.

In diesem Fall wäre es schon sehr angenehm die wichtigsten persönlichen Dinge dabei zu haben, denn allein das Schlafen mit einer bereitgestellten Wolldecke ist vielleicht nicht besonders angenehm und am nächsten Morgen? Zähneputzen, Waschen, Wechselwäsche,... ? Hast du an all die Dinge in drei Minuten gedacht?
Die Seminarleiterin empfiehlt daher einen kleinen Rucksack (30 l) griffbereit in der Wohnung zu deponieren. Darin sollten beglaubigte Fotokopien der wichtigsten Dokumente, wie Pass, Personalausweis, Geburts und Heiratsurkunde, Ausbildungsnachweis sowie Medikamente, Hygieneartikel, Wechselwäsche, Bettbezug oder Schlafsack, evtl. kleines Kopfkissen, Ladekabel & Powerbank und etwas Bargeld in kleinen Scheinen verstaut sein. Auch ein Stick mit wichtigen Daten und Scans von Dokumenten ist eine sinnvolle Ergänzung. -Und nicht vergessen: zum Jahreszeitenwechsel regelmäßig die Kleidung wechseln, denn der warme Winterpulli nutzt dir im Sommer herzlich wenig.
Flächendeckender Stromausfall über Tage
Was ein Stromausfall bedeutet konnten einige Anfang des Jahres hautnah erleben. Was aber wenn der Strom flächendeckend ausfällt und es in ganz Berlin keinen Strom mehr gibt? Die Konsequenz: nach zwei Tagen fallen auch die Notstromagregate der Wasserversorgung aus und es funktionieren weder Geldautomaten, noch kann man Einkaufen gehen oder die Taxifahrt mit Karte zahlen und auch der Zahnarzt arbeitet nicht mehr. In dieses Szenario einmal einzutauchen war wirklich spannend.

Wasserversorgung
So lange noch Wasser aus der Leitung kommt, sollte man dieses also bevorraten. Danach heißt es die Toiletten nicht mehr zu benutzen, denn auch das Abwasser kann nicht mehr abgepumpt werden und es droht Seuchengefahr.
Günstig wäre in diesem Fall ein Wasservorrat zu haben, aber auch dieser geht zu Ende. In diesem Fall kann man Wasser aus Fließgewässern filtern und mit Mikropur-Tabletten entkeimen. Bitte niemals Brunnenwasser verwenden, denn dieses lässt sich nicht aufbereiten!
-Doch mit welchem Behältnis bekommst du das geschöpfte Wasser eigentlich nach Hause???
Ernährung
Einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln hat wohl jeder zu Hause, aber eignen sich diese auch zum Verzehr, wenn man keinen Strom hat? Die Gaskartusche eines Campingkochers für das lange Kochen von z. B. Reis aufzubrauchen, ist wenig sinnvoll. Geeignete Nahrungsmittel sind in diesem Fall Haferflocken, Kartoffelpüree aus der Tüte, vorgekochter Reis, Dosensuppen und natürlich Nahrung, die viele Inhaltstoffe hat und nicht zubereitet werden muss. Nüsse sind in diesem Fall ein guter Energielieferant.
Offene Flammen und ein Risiko
So, nun kochen wir also auf offener Flamme, erhellen unsere Wohnung mit Kerzen und wärmen uns an glühenden Kohlen... Damit ist gleich ein weiteres Risiko verbunden: Feuer
Da wäre Vorsorge wirklich angezeigt, doch wusstest du, dass es Löschsprays in Dosen gibt??? Das ist nicht nur für den Katastrophenfall eine sinnvolle Anschaffung, finde ich. Beim Kauf eines Feuerlöschsprays ist auf die Kennzeichnung A-B-F zu achten, denn diese löschen u. a. auch Wachs- oder Fettbrände. Die Seminarleiterin empfiehlt die Sprays von Reinholdmax Stopfire und Abus, da diese auch mit dem notwendigen Druck aus den Flasche kommen und keine Partikel beinhalten, die sämtliche elektronische Bauteile binnen kurzes Zeit durch Korosion zerstören.
Equipment für den Notfall
Es gibt zahlreiche Dinge, die in einem solchen Katastrophenfall nützlich sind. Angefangen bei einem Elektrolytpreparat, Breitbandantibiotikum und Verbandsmaterial über ein batteriebetriebenes Radio, Powerbank in Kombination mit einem faltbarem Solarsegel bis hin zur Stirnlampe oder einem faltbaren Wassertank. Viele dieser Dinge sind bei den Outdoorexperten, wie Globe Trotter zu finden.
Wer seine Lebensmittelvorräte samt Haltbarkeitsdatum im Blick haben möchte, der kann das prima über eine Speisekammer App, wie Smantry organisieren.
Long Story short
Ich könnte noch viel, viel mehr schreiben, daher von mir der Tipp: Wer nicht dabei war, sollte schauen, ob er nicht ein anderes ASB Workshop Angebot wahrnehmen kann.
Wer sich einmal ein realistisches Bild von dem machen möchte, was im Falle eines flächendeckenden Stormausfall passiert, dem empfehle ich das Buch von Marc Elsberg “Blackout“. Die hervorragende Recherche des Autors brachte ihm sogar eine Beraterstelle bei der Bundesregierung ein.
Apropos: die Bundesregierung hat eine informative Webseite, auf der man auch die Broschüre “Vorsorge für Krisen und Katastrophen“ beziehen kann.
Auch in Berlin arbeitet man seit dem Stromausfall im Januar am Krisenmanagement und so wurden in jedem Bezirk sogenannte Leuchttürme mit Katastrophschutzbeauftragten eingerichtet. Der für uns nächstgelegene Leuchturm ist das Rathaus Lankwitz, Hanna-Renate-Laurien-Platz 1, 12247 Berlin.
Die Leuchttürme verfügen über Funk zum Informationsaustausch, koordinieren Einsätze und helfen generell in Notlagen weiter.





