
FÖRDERMITTEL | von Annette Eni
Viele NGOs sind auf Fördermittel angewiesen
Auch unsere Initiative benötigt finanzielle Mittel, um die Transformation im Kiez voranzutreiben
Viele NGOs arbeiten mit knappen Eigenmitteln und füllen Budgetlücken für Projekte, Personal, Infrastruktur und Forschung mit Fördermitteln auf. So können Pilotprojekte und die Skalierung erfolgreicher Ansätze und Innovationen, die ohne Zuschüsse schwer finanzierbar wären, in die Umsetzung kommen.
Jedoch stehen Förderprogramme immer in Abhängigkeit von Förderzyklen und oft dauert es von der Einreichung einer ersten Projektskizze, über die Aufforderung zur Projektbeantragung bis zur Mittelzuwendung über zwölf Monate. Sich in dem Dschungel der verschiedenen Programme und Fördervoraussetzungen zurechtzufinden ist eine weitere Hürde, und auch die Standards der Berichterstattung sind oft so arbeitsintensiv, dass selbst viele Kommunen vor einer Beantragung zurückschrecken.
Die neue Bundesregierung verspricht die Verfahren zu vereinfachen, bei gleichzeitig mehr Transparenz und will Klimaanpassungsmaßnahmen durch verschiedene Programme fördern, wobei für das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) im Jahr 2026 insgesamt 821 Millionen Euro eingeplant sind, die in den Folgejahren auf über 1,1 Milliarden Euro pro Jahr steigen sollen. -Aber ist dem auch so? Und kommen die Milliarden auch dort an, wo sie gebraucht werden?
Neuer Wind aus dem Bund?

Seit dem 6. Mai 2025 ist die Bundesregierung unter der Führung des Bundeskanzlers Friedrich Merz nun im Amt und trotz der Milliarden an Sondervermögen scheint immer weniger Geld zur Verfügung zu stehen. Zumindest bekomme ich das auf allen Ebenen gespiegelt. So heißt es, der Bezirk sei im Klimaanpassungsressort personell unterbesetzt und hat keine Mittel für weitere Planstellen, die Koordinierungstellen an Universitäten wissen ebenfalls nicht, wie lange es sie noch geben wird und auch die Fördermittelvergabe-Agenturen suchen verzweifelt nach Finanzmitteln, denn auch ihre Existenz steht auf dem Spiel, wenn es keine Fördergelder zu verteilen gibt. Aber auch alteingessene Institutionen aus dem Katastrophenschutz, welcher in Hinblick auf Klima-/Wetterkatastrophen an Bedeutung gewinnen dürfte, berichten, dass ihnen sukzessive die Mittel gestrichen werden. Dabei basiert ihre Tätigkeit überwiegend auf ehrenamtlicher Basis, so dass jeder investierte Euro ein Vielfaches an Wertschöpfung verspricht. –Und so spekuliert man an einigen Stellen bereits hinter vorgehaltener Hand über einen "neuen Wind" aus dem Bund.
Wie auch immer: Am 18.12.2025 hat das Berliner Abgeordnetenhaus das Haushaltsgesetz für die Jahre 2026/2027 beschlossen. Die Ergebnisse und Mittelfestlegungen für die künftige Umsetzung vom BENE 2-Programm, dem Förderprogramm für Nachhaltige Entwicklung und Klimaanpassung, co-finanziert von der EU, werden vor diesem Hintergrund aktuell geprüft und die dahingehenden Förderaufrufe zunächst ausgesetzt. Eine Information, wie es mit BENE II weitergeht, soll "zeitnah zu Jahresbeginn 2026" erfolgen, heißt es auf den offiziellen Seiten, doch bisher gibt es dazu keine Informationen.
Vor diesem Hintergrund sucht
Zukunftslust e.V. nun ebenfalls nach Fördermitteln, um die geplanten Maßnahmen im Kiez als Referenzprojekt, co-zufinanzieren. Wir führen deshalb viele Gespräche mit Forschungseinrichtungen, Vergabestellen und anderen Akteuren und geben im Folgenden unsere (jungen & unbedarften) Erfahrungen weiter.
Zukunftslust und die FEIN-Förderung
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen stellt dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf jedes Jahr Fördermittel zur Verfügung, um Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur mit Vorhaben zur Aktivierung der Bewohnerinnen und Bewohner zu verbinden.
Ziel ist die Stärkung des nachbarschaftlichen Engagements, die Aktivierung des ehrenamtlichen Interesses sowie die Stabilisierung des Wohnumfeldes und der sozialen Strukturen.
Koordiniert werden die Förderprojekte über die Sozialraumorientierte Planungskoordination, kurz SPK, die auch die Mittelbeantragung begleitet.
Anfang Oktober vergangenen Jahres sind wir mit unserem Pilotprojekt-Förderantrag auf das SPK zugegangen und haben offensichtlich viele Punkte unterschätzt. So hätte man gerne seitens des SPK früher über die Absicht einer Antragstellung wissen wollen und sich im Vorfeld eine engere Zusammenarbeit gewünscht. Leider steht das nirgendwo geschrieben, so dass wir davon ausgegangen sind, dass bei einer gesetzten Einreichungsfrist zum 31.10.2025 ein vierwöchiger Vorlauf ausreichend wäre.
Vergangene Woche kam dann die Absage, d.h. die Senatsverwaltung hat unser Projekt nicht befürwortet. Die Antwort, warum genau wir keinen Zuschlag erhalten haben, steht dabei noch aus. Liegt es daran, dass der Senat weniger Projekte als bisher fördert oder hatte es inhaltliche Gründe?
Für uns ist das sehr schade, denn mit der Projektförderung wollten wir einen Treffpunkt im Kiez realisieren. Einen Raum, wo wir persönlich ansprechbar sind, wo man Info-Veranstaltungen durchführen kann, wo sich die Anwohnenden bei Kaffee oder Tee austauschen und kennenlernen können, und vieles andere mehr.
Nun sind wir zumindest eines: schlauer. Für die kommende Förderperiode werden wir daher mit der Projektbeantragung früher beginnen und auch das SPK stärker in den Prozess miteinbeziehen. –Vielleicht klappt es ja dann in 2027.
KfW-Förderung
Ein weiteres Beispiel dafür, wie staatliche Förderung funktioniert – oder eben auch nicht – ist das KfW Programm Energetische-Stadtsanierung, wieder aufgelegt Ende November 2025.
Damit sollen integrierte Quartierskonzepte entwickelt und umgesetzt werden, die Versorgungssysteme effizienter machen, erneuerbare Energien einsetzen, grüne Infrastruktur und klimafreundliche Mobilität ausbauen, etc.
Für die Konzeptentwicklung stehen bis zu 200.000 EUR (1 Jahr) zur Verfügung, für das Sanierungsmanagement bis zu 400.000 EUR bei einer Laufzeit von 5 Jahren. Dieses Programm trifft im Prinzip genau das, was Zukunftslust sich zur Aufgabe gemacht hat und erreichen will.

Antragsteller muss eine Kommune sein (für Berlin: Bezirk oder Senat) und der Zuschuß kann an gemeinnützige Akteure weitergereicht werden. Die Arbeit muss dann ein fachlich qualifiziertes Unternehmen durchführen, d.h. ein anerkanntes Stadtplanungs- oder Ingenieursbüro, denn die KfW zahlt auf Rechnung.
Nur: der KfW-Zuschuß wird erst nach Anfallen der Kosten gezahlt, bestenfalls im 6-Monats-Rhythmus. Die Kommune muss die Kosten also vorstrecken, oder die durchführende Organisation wartet mind. 6 Monate auf die Auszahlung. Das dürfte für kleinere Unternehmen schwierig sein. Angesichts der angespannten Finanzlage ist es auch für Kommunen herausfordernd und zieht einen bürokratischen Rattenschwanz nach: Das Budget muss im Haushalt eingestellt werden, Risikomanagement (denn was passiert, wenn die Ziele zur CO2-Einsparung nicht erreicht werden und die KfW den Zuschuss nicht zahlt?), usw.
Fazit: Eine gute Idee, aber praktisch schwer umzusetzen. Wirklich schade und vor diesem Hintergrund kein Wunder, warum viele Mittel gar nicht erst abgerufen werden.
Weitere Optionen
Eine weitere Option finanzielle Unterstützung zubekommen sind natürlich Stiftungsmittel. Aber auch hier berichtet die versierte Szene, dass diese hoffnungslos überlaufen sind und sich vor Anträgen kaum retten können. Bestätigt findet sich diese Aussage bei der LOTTO-Stiftung Berlin. Hier heißt es auf der Webseite: "Um in den Genuss einer Förderung durch die Stiftung zu kommen, muss ein Antrag gestellt werden. Vorsorglich wird darauf hingewiesen, dass die Entscheidung über Ihren Antrag frühestens nach 9 Monaten getroffen wird. Insofern berücksichtigen Sie bitte, dass Ihr Antrag mindestens 9 Monate vor Projektbeginn bei der Stiftung eingehen muss. Aufgrund des derzeit hohen Antragsaufkommens wird dringend empfohlen, bereits jetzt Anträge für das Kalenderjahr 2027 einzureichen."
Weitaus vielversprechender scheint dagegen eine Kooperation mit renommierten Forschungseinrichtungen, die sich a) mit der Förderlandschaft bestens auskennen, b) oftmals bereits über Mittel verfügen und c) die Expertise einer wissenschaftlich fundierten Begleitung und damit die Voraussetzung der Projektadaption gewährleisten. Hier ist Zukunftslust e.V. bereits in Gesprächen mit namenhaften Vertretern und findet an dieser Stelle als Referenzprojekt großen Anklang.
Eine weitere Möglichkeit ist ein Zusammenschluss mit der Industrie, d.h. man sucht sich finanzkräftige Partner, die in das Zukunftslust-Projekt investieren, um daraus eine Wertschöpfung zu erzielen und/oder um das Projekt als Best-Practise-Beispiel für Marketingzwecke zu nutzen.
Im besten Fall schaffen wir es aus eigener Kraft und sammeln über projektbezogene Fundraising-Aktionen Spendengelder ein. Einziger Nachteil: man kann im Voraus schlecht planen.
Unterstützer gesucht
Die Mittelakquise ist also ein breites Feld und raubt uns derzeit viel zeitliche Kapazität, weshalb wir für diesem Bereich dringend Unterstützung suchen. Wer kennt sich mit Fördermittelanträgen aus? Wer ist unter Umständen in der Szene bereits gut vernetzt? Oder wer kennt vielleicht ein Industrieunternehmen, welches Interesse an ein Zusammenarbeit hat und kann uns einen Kontakt machen? Oder wer möchte sich gezielt mit dem Thema Fundraising beschäftigen und hat möglicherweise hier schon Erfahrungen gesammelt? Bitte meldet euch, wenn ihr hier weiterhelfen möchtet oder euch gezielt dieser Aufgabenstellung widmen wollt.







