
BIODIVERSITÄT | von Ute Stumm
Klimarasen statt gärtnerischem Vierkampf
Das Gartenjahr 2026 ist längst in Planung und vielleicht ist es Zeit für eine Veränderung
Draußen ist es noch kalt – an Gartenarbeit also kaum zu denken. Oder vielleicht doch? Gerade jetzt ist die richtige Zeit, um Pläne zu schmieden. Vor allem dann, wenn man in der kommenden Saison im Garten etwas Grundsätzliches verändern möchte.
Denn schon bald startet er wieder, der gärtnerische Vierkampf – besonders beliebt in Jahren mit Fußball-Weltmeisterschaften, ausgetragen im heimischen Garten: Mähen. Vertikutieren. Düngen. Wässern.

Prima Klima für Kräuterrasen
Der englische Rasen gilt noch immer als Ideal: sattgrün, dicht und kurz geschnitten. Von März bis Dezember ist Hauptsaison für den dauergrünen Belag vor der Terrassentür.
Seine Erfolgsgeschichte begann im 18. Jahrhundert in England – mit der Erfindung des Spindelmähers. Doch England ist nicht Berlin.
Klimatisch ist Berlin – aus Sicht leistungsstarker Rasengräser – klar im Nachteil: weniger Niederschlag, höhere Sommertemperaturen, trockene Luft. In England dagegen sorgen mehr Regen, mildere Winter und eine höhere Luftfeuchte dafür, dass der Rasen es deutlich leichter hat „englisch“ zu sein.
Mir persönlich ist der Spaß am klassischen Rasen schon vor Jahren vergangen. Und obwohl die wenigsten von uns große Rasenflächen wirklich benötigen oder intensiv nutzen, gehört er im Berliner Garten noch immer dazu. Der enorme jährliche Arbeitsaufwand sowie der Verbrauch wertvoller Ressourcen wie Wasser und Dünger stehen für mich in keinem Verhältnis mehr.
Wer sein Grün jedoch nicht komplett gegen Beete, Rosen, Blumenwiesen oder Strauchhecken eintauschen möchte, kann über eine Alternative nachdenken: Blumen-Kräuter-Rasen, oft auch Klimarasen genannt.
Klimarasen – eine echte Alternative
Ein Blumen-Kräuter-Rasen besteht nicht nur aus Gräsern, sondern aus einer vielfältigen Pflanzengesellschaft. Flach wachsende, ausdauernde Kräuter und Wildpflanzen wie Thymianarten oder Schafgarbe mit ihren immergrünen Blättern treffen hier auf hitzeresiliente Grasarten wie den Schafschwingel.
Auch der Klimarasen kann mit dem Rasenmäher gepflegt werden – allerdings nur vier bis sechs Mal im Jahr. Das Mähgut sollte abgefahren werden, die Schnitthöhe nicht unter fünf Zentimeter liegen und während Hitzeperioden unbedingt nicht mähen.
Besonders spannend wird es, wenn nicht die gesamte Fläche auf einmal gemäht wird. Diese sogenannte Mosaikmahd schafft Wege, Sitzplätze und Rückzugsräume. Insekten finden mehr Nektar, Igel mehr Verstecke – und der Garten gewinnt an Struktur und Leben.
Ein Klimarasen kann 40 bis 60 Zentimeter hoch werden und blüht in Weiß, Gelb, Rosa, Lila und Grün. Lässt man ihn blühen und versamen, entsteht im Boden eine wertvolle Samenreserve. Diese springt ein, wenn Trockenphasen länger dauern oder Flächen im Sommer verbrennen – Temperaturen jenseits der 30 °C sind schließlich für alle Pflanzen eine Herausforderung.

Thymian

Schafschwingel
Sonnenliebhaber mit wenig Pflegeaufwand
Ein Blumen-Kräuter-Rasen entsteht nicht auf alten, vermoosten Rasenflächen. Der Boden muss aufgebrochen und die spezielle Mischung neu angesät werden. Zudem ist er nicht so trittfest wie klassischer Zierrasen und fühlt sich ausschließlich an sonnigen Standorten dauerhaft wohl. Zwei bis vier Sonnenstunden im Hochsommer sind zu wenig – Rasen, egal welcher Art, ist kein Schattenliebhaber.
Doch der Gewinn ist groß: Bereits im zweiten Jahr reduziert sich der Pflegeaufwand deutlich. Es bleibt mehr Zeit, den eigenen Garten zu genießen, ihn Schritt für Schritt klimaresilienter zu gestalten – oder sogar die Wissenschaft zu unterstützen, indem man eigene Tierbeobachtungen in Apps wie iNaturalist einträgt.
Das Gartenjahr 2026 ist längst in Planung. Vielleicht ist es genau das Jahr, in dem der Rasen nicht länger Gegner, sondern Mitspieler wird.








