
ENERGIE | von Ulrike Linnig
Wärmewende mit Zukunftslust
Die Auftaktveranstaltung war ein voller Erfolg und es geht weiter
Am Abend des 12. Mai 2026 fand unsere Veranstaltung „Wärmewende mit Zukunftslust“ im LIO Einkaufszentrum statt. Es gab großen Andrang, so dass einige, die sich erst spontan angemeldet hatten, leider sogar stehen mussten, obwohl wir 50 Stühle von der Petruskirche geliehen hatten!
Politische Einordnung
Wir konnten hochkarätige Referenten gewinnen: Nach der Einleitung durch unseren Energie-Guide, Ulrike Linnig, setzte Reiner Wild, Mitglied des Berliner Klimaschutzrates und Vorstand der Nahwärme Eichkamp eG, mit seiner Keynote gekonnt den Rahmen.
Er erklärte noch einmal nachdrücklich die klimabedingte Notwendigkeit zum Umstieg auf eine CO2-freie Wärmegewinnung, erläuterte die ökonomischen Vorteile und ordnete die politische Debatte rund um das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) ein.

Zielkonflikte zwischen Eigentümern und Mietern
Wie erhalten wir in Deutschland eine bezahlbare und faire Wärmeversorgung beim Ausbau und der Dekarbonisierung von Heizungssystemen und Wärmenetzen?
Haus- und Wohnungseigentümer:innen können entscheiden, wie sie heizen und welches finanzielle Risiko sie tragen möchten. Mieter:innen haben diese Freiheit nicht, denn der Vermieter entscheidet über die Art der Heizung. Gleichzeitig tragen Mieter:innen die Folgen der Entscheidung, über steigende Nebenkosten durch höhere Preise für fossile Energien, einen steigenden CO2‑Preis und/oder höhere Netzentgelte. Diesen Konflikt löst die neue Gesetzgebung nicht. Es sollen folgende Regelungen gelten:
1) Vermieter erhalten eine 30%ige Förderung,
- bei Umstellung auf eine Wärmepumpe ist die (Modernisierungs)Umlage auf den Mieter auf 50 Cent/qm gedeckelt
- beim Einau einer Gasheizung ist die Umlage auf den Mieter hingegen nicht gedeckelt
2) Die Kosten der CO2-Abgabe trägt
- bei denkmalgeschützten Häusern zu 100% der Mieter
- beim Neubau wird die CO2-Abgabe zu je 50% unter Vermieter und Mieter aufgeteilt
3) Die Netzentgelte trägt zu 100% der Mieter.
Was also tun? Mieter:innen, bei denen mit fossiler Energie geheizt wird, sollten sich zusammenschließen und den Vermieter in einem gemeinsamen Schreiben darauf aufmerksam machen, dass es klimafreundliche Alternativen gibt, die gefördert werden. Mehr dazu in unserem Artikel
Warum ein Heizungstausch jetzt Sinn macht.
Was technisch heute schon möglich ist

Für Wohnungs- und Hauseigentümer stellte Michael Viernickel vom Aktionskreis Energie und von der erq GmbH vor, was technisch schon heute möglich ist, und wie sich Solarenergie, Geothermie und Wärmepumpen kombinieren lassen. Um zu heizen und zu kühlen, und um CO2 und Kosten zu sparen.
Er zeigte auch eindrucksvoll, dass möglichst viel Dämmen nicht unbedingt die oberste Priorität hat.
Es gibt schon heute wegweisende Beispiele in Berlin, die bereits umgesetzt wurden bzw. werden.
Michaels Nachricht: es geht!
Beispiele aus der Nachbarschaft
Tillmann Liero und Günter Schlusche, beide Anwohner im Kiez, stellten in kleinen Gruppen vor, wie sie die Wärmewende in ihrem Einfamilienhaus bzw. ihrer Eigentümergemeinschaft umgesetzt haben. Mit Einblicken in die Herausforderungen, Kosten und Ersparnisse. Beide sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden und würden jederzeit wieder auf alternative Energie- und Wärmegewinnung umstellen, denn die Vorteile und die Kostenersparnis sind auf Dauer überzeugend.
Es gab lebhafte Diskussionen und viele Fragen, die von Nachbar zu Nachbar einfach und authentisch beantwortet wurden. Und genau darum geht es: Gemeinsam können wir die Herausforderungen durch Klimawandel und durch steigende Kosten fossiler Energieträger besser lösen. Und das beginnt damit, dass wir uns treffen, miteinander sprechen und voneinander lernen.
Unser Fazit
Die Wärmewende interessiert viele in unserem Kiez. Es gibt eine Unmenge an Informationen zum Thema und auch leider viel Verunsicherung.
Zukunftslust möchte daher weiterhin Informationen und Kontakte vermitteln, um den Prozess der Energiewende zu erleichtern. Wir wollen Impulse geben und das Thema in unserem Kiez voranbringen, indem wir Vorschläge und Rat von Experten einholen und indem wir Interessierte miteinander vernetzen.
Am Tag der Nachbarschaft gab es ebenfalls die Möglichkeit, Nachbarn zu treffen, die an einer gemeinschaftlichen Wärmeversorgung interessiert sind.
Wer regelmäßig über die Arbeit der Energie-/Wärmegruppe informiert werden möcht, der kann sich in unsere Interessentenliste eintragen. Bei Fragen rund ums Thema, könnt ihr euch gerne auch direkt per Email an Ulrike Linnig wenden.
Für den gelungenen Auftakt der Wärmewende mit Zukunftslust möchten wir uns ganz herzlich bei allen Mitwirkenden, dem Centermanagement der Jagdfeld Gruppe, das uns die Fläche im LIO kostenlos zur Verfügung gestellt hat, dem Raum für Beteiligung, die uns die Veranstaltungstechnik kostenlos geliehen hat, und der Kultur in der Petruskirche für den Stuhlverleih bedanken.
13. Juni - Besuch im Heizungskeller
Am Samstag den 13. Juni 2026 gewährt uns Michael Viernickel von 10.00 bis 11.30 Uhr Einblick in seinen Heizungskeller.
Gemeinsam besuchen wir sein privates Wohnhaus, welches er seit 1990 immer wieder modernisiert und mit aktueller Technik ausstattet.
Hier die Eckdaten zu seinem Haus:
- ehemaliges 2-Familenhaus BJ 1927
- 1990 Umbau auf 4-Familienhaus mit mäßiger Dämmung, Verwendung alter Bauteile des Gebäudes und baubiologisch unbedenklicher Materialien
- 3-geschossiger Wintergarten als Klimapuffer, Vakuumröhrenkollektoren, 1,7 kW PV, Wand-, Decken-, Fußboden und Radiatorenheizungen gemischt, Grauwassernetz aus Zisterne
- 2000 Umrüstung der Ölheizung auf Grundwasser-Wärmepumpe (27 kW) mit einer Bohrung (Grundwasserzirkulationsbrunnen)
- 2023 Austausch der Wärmepumpe mit Erweiterung auf Kühlfunktionalität
- 2024 Installation von 16 Modulen „Balkon-PV“ à 400 Watt = 6,4 kW
Wer mit dabei sein möchte, kann sich hier anmelden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Schnell sein lohnt sich also. Die genaue Adresse in Mariendorf erhaltet ihr mit der Teilnahmebestätigung.
Netzwerkpartner Wärmewende Friedenau e.V.
Ähnlich wie wir, beschäftigt sich der Wärmewende Friedenau e.V. mit der Frage, wie in einem Bestandsquartier mit heterogener Wärmeversorgung aus Gas, Fernwärme und teilweise Öl, der Transformationsprozess hinsichtlich eines sinnvollen Zusammenspiels zentraler (FW) und dezentraler Systeme (KNWN) gestaltet werden kann. Im Fokus steht nicht die technische Entwicklung eines Wärmenetzes, sondern die Frage, wie unterschiedliche Akteursgruppen gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln können.
Um finanzielle Mittel für diese Untersuchung zu bekommen, hat sich der Wärmewende Friedenau e.V. an dem Förderaufruf von CommunitE beteilig, wo aktuell ein Publikumsvoting stattfindet.
Wir wollen unseren Netzwerkpartner gerne unterstützen, denn die Erkenntnise aus dieser Untersuchung wird am Ende auch uns zu gute kommen.
Deshalb der Aufruf an euch für das Projekt Nr. 3 - KIEZ KOOPERATIVE zu voten. -Übrigens auch die anderen Projekte sind spannend und man hat zwei Stimmen. Macht also mit und helft unseren Partnern.






